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Wir sind mehr

Nein, wir sind nicht nur menschliche Ressourcen für Unternehmer und Großindustrielle.

Wir sind ebenso wenig Stimmvieh, dass nur kräftig genug geschubst und getätschelt werden muss, um im Sinne anderer zu nicken und zu handeln.

Nein, wir sind ebenfalls nicht die viel bemühten Herdentiere, die stupide im Gleichschritt durch ihr Leben trotten, um nur ja nie aus der Rolle zu fallen, aufzufallen.

Wir sind alle, jede und jeder für sich, ein einzigartig-besonderes Menschenwesen.

Uns ist alles mitgegeben, was wir als Rüstzeug brauchen auf unserem Weg durch unser Leben:

Fähigkeiten, Schwächen, Charaktereigenschaften, Vorlieben, Abneigungen, Lernfähigkeit gesellen sich in einmaliger Mischung in uns zu Lebensfreude, Zuversicht, Freundschaft und der alles überstrahlenden Liebesfähigkeit.

Wir feiern Weihnacht, weil wir die Geburt Christi begehen. Im Kreise von Menschen, die uns familiär oder freundschaftlich verbunden sind oder in der Stille und Ruhe allein mit uns selbst.

Wir tragen in uns dieses Licht der Liebe:

„Lebe als Mensch des Lichtes! Aus dem Licht erwächst als Frucht: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,9)

Wir sind so viel mehr, als uns manchmal glauben gemacht werden soll.

Wir können so viel mehr bewirken, als wir uns meist selbst zutrauen.

Vier Kerzen sind entzündet worden auf dem Weg hin zur Krippe im Stall von Bethlehem.

Sie symbolisieren dieses stetig wärmer leuchtende Licht der Liebe in Zeiten der Dunkelheit.

 

Wenn wir nun alle eine Kerze entzünden würden, unser persönliches Licht der Liebe, dann ist das mehr als zu folgen, ohne je wenigstens sich selbst geführt zu haben.

Wir sind mit allem gewappnet dafür, seit unserer Geburt.

Wir sind mehr.

Euch allen ein friedvolles, lichtvolles, gesegnetes Weihnachtsfest!

Herzlichst,

Petra

 

Zeit der Liebe

„Noch eine gute Woche bis zu diesem furchtbaren Fest!“ dachte sie. Sie stand am Fenster und schaute über die Dächer dieser grauen Stadt, an diesem grau-trüben Tag.

„Was sehe ich eigentlich?“ fragte sie sich selbst. Sie sprach oft mit sich seit diesem Tag, der nie hätte sein dürfen – der ihre Welt binnen Minuten verändert hatte. Eben noch war doch alles gewesen, wie es immer war… Und dann, plötzlich, schlug das Schicksal zu. Sie sieht ihn täglich noch vor sich, am Küchentisch sitzend, die Tageszeitung vor sich, die Brille auf der Nasenspitze und er über sie hinweg schauend, wenn er nicht weiterlas, um mit ihr zu reden.

Mitten in dieser für ihn typischen Haltung weiteten sich seine Augen, er rang nach Luft, seine linke Faust schlug panisch auf seine Brust und…

sein Lebensbuch schloss sich in dieser Sekunde, die alles verändernd-alles entscheidend- alles zerstörend war.

Seitdem ging sie durch ihre Tage wie hinter einer Wand aus Glasbausteinen. Licht fiel zu ihr herein, Umrisse und Schemen nahm sie wahr, aber klare Sicht und Luft zum Atmen waren Mangelware geworden.

Sie funktionierte nur, war reduziert auf die Vergangenheit, auf ihre Trauer, auf diesen fast körperlich zu spürenden, nicht nachlassenden Schmerz der Leere.

„Was ist Leere?“ fragte sie sich laut. Ihre Stimme war dabei so leer, wie der Sinn des Wortes, das sie zu verstehen bemüht war.

Ihr Blick hatte sich längst verfangen in den tiefhängenden Wolken über den fad-farblosen Dächern. Augen, die nichts festhielten, in dem Glauben, es gäbe nichts mehr, das es wert sei genau angeschaut zu werden.

Erinnerungen standen um sie herum, dichtgedrängt und raumgreifend…

„Was ist Liebe?“ Diese sich selbst laut gestellte Frage ließ sie hochschrecken aus ihrer Lethargie. Wo kam sie her, diese als unverschämt unpassend zu empfindende Frage!

Sie kam nicht dazu, deren Herkunft zu klären, denn die Antworten schoben sich aus den sie umringenden Erinnerungen hervor – Antworten, die nur in ihnen zu finden waren.

Wortfetzen, seine Stimme, lachend, foppend, Sonnenlicht über einer blühenden Wiese, seine Hand durch ihr Haar streichend, fröhliches Winken bei der Heimkehr, engumschlungen sich wiegend zum Takt ihrer pochenden Herzen.

Ein leises Lächeln glitt über ihr Gesicht, ausgelöst durch diese Antworten aus der Vergangenheit. Kinderstimmen mischten sich hinein in diese Blitzlichter des hinter ihr liegenden Lebens und ihr wurde klar, dass diese Stimmen immer noch um sie waren. Gereifter, erwachsener, aber DA – Teil des Lebens, heute, jetzt. Stimmen, die fast täglich zu ihr fanden, per Telefon oder durch ein Klingeln an ihrer Tür. Nicht wirklich wahrgenommen von ihr in ihrer Wertigkeit, Wichtigkeit, Ehrlichkeit, Liebe.

In einer guten Woche, so nimmt sie sich fest vor, wird sie sich Mühe geben, sie zu spüren und noch mehr Mühe, sie zu zeigen. Eine ganze Woche noch Zeit, um sich wieder zu erlauben, es in sich zu fühlen: Zeit der Liebe findet immer noch statt. Und sie begleitet uns sogar, wenn sich unser eigenes Lebensbuch schließt.

Vergesst nie: Alles schwingt!

Petra, im Dezember 2014

 

 

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Blinky – Von Sternen am dunklen Nachthimmel und Sternen in unseren Herzen

Immer, wenn die dunkle Jahreszeit kommt mit ihren langen, kalten Nächten und den Menschen in ihren Zimmern auch manches Mal ganz kalt wird ums Herz, dann ist Blinkys Zeit.

Er ist ein sehr kleiner, aber besonders hell leuchtender, sehr wohlig-warmer Stern. Er hat keinen festen Punkt am Himmelszelt wie all seine anderen viel größeren Brüder. Oh nein! Er fliegt schnell wie ein Torpedo zwischen ihnen allen hindurch und bewundert deren Strahlen auf dem samtig schwarzen Untergrund des weiten Universums. Er grüßt den großen Jäger, ein Sternbild am Winterhimmel; er saust um den großen und den kleinen Wagen herum, die nördlich stehen und ganz besonders mag er Kassiopeia, weil dort hindurch die Milchstraße verläuft und viele blitzende Sternenhäufchen in ihrer Nähe sind.

Nachdem er überall vorbeigeflogen ist und Kraft getankt hat, beginnt er seine eigentliche Mission. Winzig klein wie er ist, fliegt er in den dunkelsten Nächten zur Erde hinunter und sucht nach den Menschen, die in stillen Räumen sitzen und deren Herzen kalt sind vor Einsamkeit und Traurigkeit. Denn Blinky kann diese besondere Dunkelheit und Kälte erspüren…

Er hat viel zu tun, der kleine Strahlestern, denn in unzähligen Häusern findet er Menschen vor, deren Leben gerade in der Winter- und Weihnachtszeit ohne Licht und Wärme ist.

Wenn er über einem dieser Menschen seine kleinen schnellen Kreise zieht, dann wartet er auf den passenden Augenblick. Der ist gekommen, wenn sich Tränen aus den Augen ihren Weg gesucht haben bis auf die Lippen des Menschen und von dort salzig-traurig abgeleckt werden. Dann taucht er wie ein Blitz hinein in eine dieser Tränen und  gleitet mit ihr ganz sachte hinab bis ins Herz.

Er flitzt durch alle Herzenskammern und in alle Winkel, bis er jene gefunden hat, in denen die schönen Bilder der Erinnerungen und die Kinderseele des Menschen gelagert sind. Dort schaltet er sein Strahlen ein und gibt all seine Wärme ab, die er hat. Manchmal muss er sehr lange dort verweilen, bis sich das Herz erwärmt und dadurch die Tränen trocknen.

Wenn das aber geschehen ist, dann schleicht er sich ganz vorsichtig durch einen der Tränenkanäle mit den letzten erleichtert geweinten Tränen wieder hinaus und sucht sich das nächste Herz, in das er seine strahlende Wärme legen kann.

Hast du es auch schon erlebt, dieses Weinen und dann dieses warm werden ums Herz? Dann sei sicher:

Blinky, der kleine Strahlestern war bei dir!

Alles schwingt! Petra

 

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Kaminstunde

Komm, abgespannt siehst du aus, müde vom Tag, müde vom Leben.

Der Kamin ist an, lass uns davor sitzen und dem Knistern lauschen, ja?

Ich möchte mit dir ein wenig erzählen von Türen, die sich schließen und von anderen, die sich öffnen.

Von der Berg- und Talbahn des Seins und der Ruhe in der eigenen Mitte.

Wenn man jung ist, erscheint alles weit fort …die Pflichten, die Tretmühle, Krankheiten.

Je älter man wird, umso mehr drängen diese Dinge in den Vordergrund, bestimmen irgendwann den Tag, besetzen das Denken und blockieren das Fühlen.

Man funktioniert und regelt alles, was  zu regeln ansteht:  

Früh hoch, Frühstück bereiten, zur Arbeit, Arzttermine, Hiobsbotschaften, Geldmangel, Stress mit dem Partner, den Haushalt, todmüde umfallen und nach zu kurzer Nacht dasselbe Spiel von vorn.

Soll das Leben sein? Eine berechtigte Frage stellst du da…

Die Antwort kann nur sein: ja, wenn du es zulässt, dann ja!

Etwas Positives hat das Älter-werden, es ist die Gewissheit, dass alles, was geschieht auch ohne uns geschehen würde.

Wären wir nicht da, wir würden nicht erheblich fehlen!

Andere wären da, die reagieren müssten.

Die nur jetzt zu oft abtauchen, weil wir nun mal DA sind.

Weil wir, du und ich, zu oft springen…

was, es geht dir schlecht? Keine Sorge, ich helfe, ich fange auf, ich gleiche aus…

Das wäre schon einmal die erste Tür, die wir zumindest anlehnen dürfen und mit Nachdruck darum bitten können, dass erst angeklopft werden sollte, bevor man uns einfach überfällt.

Warum sind wir eigentlich immer verfügbar?

Haben wir keine eigenen Bedürfnisse?

Ach schau an, wir haben?

Ich muss auch lachen, du!

Du hast auch sicher diese speziellen Freunde, die dich nur kennen, wenn sie in Not sind, nicht wahr? Die dich aber kaltschnäuzig ausboten, wenn deren Hilfe mal gebraucht wird. Mit Worten wie: ach das geht nicht, ich habe Termine.

Mein nächster Termin wird sein, mich selber zu treffen!

Ich hab viel zu lange das Jasagen praktiziert.

Wie spricht es sich denn so, dieses Nein, fragst du?

Wunderbar! Ganz ehrlich, es ist ein kraftvolles Wort und geht federleicht über die Lippen!

Ich trainiere es gerade, auszusprechen.

Bei manchem Nein schließen sich dann Türen, sie knallen regelrecht zu, sodass es im Gebälk erzittert. Wenn es denn sein muss, bitte.

Dafür öffnen sich als hochwertiger Ersatz Tore, die ich nie vorher wahrgenommen habe. Du auch nicht? Das wundert mich jetzt nicht wirklich, lass uns drauf anstoßen!

Also das größte Tor, das ich überraschend aufschwingen sah, war das Tor zu mir selbst. Es öffnete sich mit lautem Knarren, als ich mich fragte, wie ich mich fühle. Huch machte es in mir – fühlen? Gefühle?

Wo hab ich sie denn nur sorgsam verstaut?

Als ich allein da saß und in mir herum suchte, plumpste plötzlich durch einen kleinen Spalt dieses sich in Zeitlupe bewegenden Tores der Zorn heraus.

Zorn auf alle um mich herum und ganz besonders auf mich selbst!

Na aber hallo, wo kommst denn du her, fragte ich verblüfft.

Das Tor schwang weiter auf und gleich danach kam das Selbstmitleid. Das ist vielleicht eine Heulsuse, meine Güte! Und  Platz hat es eingenommen, du machst dir kein Bild!

Nur mit großer Anstrengung  schob sich durch die nun sperrangelweit aufstehende Riesenpforte eine ganze Mannschaft:

es waren der Mut, die Kraft, der Humor, auch die Selbstironie und um alle herum die Liebe.

 Die Liebe zu mir selbst!

Andere lieben? Kein Problem!

Mich lieben, mich mögen, mir Raum  geben?

Vergessen, nie praktiziert!

Nicke nicht so heftig, dir wird noch schwindelig!

Weißt du was? Seit ich dieses Tor geöffnet habe, gibt es mich wieder. Da staunst du, was? Ich bemerke mich selbst, eine tolle Erfahrung ist das!

Mir fällt auf, ob ich mich gut fühle mit dem, was ich tue und wenn nicht, kommt wieder diese geniale Sprachübung: N E I N.

Und die versammelte Gefühlsarmee in mir ist stark genug, dieses Nein sofort umzusetzen.

Psst! Hast du das auch gehört? Es knarrt hier ganz leise…. Lass mich lauschen….pssssssst.

Das kommt doch wohl nicht…..irre ich mich oder kommt das von…..dir?

Ja? Dann los! Zerre an dem Tor, mit aller Kraft!

Und stoß an mit mir:

auf dich und den Zugang zu deiner neu gefundenen Mitte!

© Petra Jähnke, 11/2011- veröffentlicht 2012 in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“

 

 

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