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Schlaglichter: Alles ist relativ

ALLES IST RELATIV

Einer der letzten sonnigen, fast hochsommerlichen Tage.

Die Sonne wärmt dermaßen, dass man meinen könnte, sie will nochmals ihr Bestes geben, bevor sie ihre Strahlkraft reduzieren wird durch die kalten Wintermonate.

Alle sind unterwegs, an sämtlich möglichen Orten sitzen die Menschen in der Wärme des Nachmittags und tanken auf, alles genießt, nur einer nicht…

In diesem traumhaften Gartenlokal direkt am Wasser  leidet ein Mensch ganz erbärmlich.

Alle Tische sind voll besetzt, es wird schon von den nächsten Gästen darauf gewartet, dass ein paar Plätze frei werden. Es wird geplaudert, gelacht, Kaffee und Kuchen genossen-

„schau nur, dieser herrliche Blick“

„ein unglaublich schöner Tag“

„kann das Leben nicht schön sein???!!!“

Für ihn ist es das nicht, nein absolut nicht!

Sein Job ist es zu servieren, zu kassieren, freundlich und agil zu wirken wie seine Kollegen.

Aber ER ist entnervt! Gäste wollen seit langem schon zahlen, andere warten auf ihre Bestellung, die nächsten sitzen schon an Tischen, die noch voll stehen mit gebrauchtem Geschirr…

Er wirkt überfordert, ohne Übersicht, er ist gereizt! Überschlaue Kommentare wie „man sollte in diesem Job schon ein Schema haben, nach dem man arbeitet“ provozieren seine bis zum Zerreißen gespannten Nerven noch mehr.

Er nimmt Bestellungen auf, verdreht die Augen bei mehrmaligem Nachfragen, weist zurecht, sein Ton ist scharf und seinem Job abträglich. Aber er kann nicht anders, hat nicht die Leichtigkeit des Tages in seinen Kleidern, nicht die Sicherheit eines Profis abrufbar in sich drinnen, um mit ihr die explosive Stimmung zu übertünchen, in der er sich befindet.

Was immer ihn so fassungslos und unsortiert gemacht haben mag – dieser Sonnentag ist eine Folter für ihn. Gehetzt, am Rande eines Nervenzusammenbruches, mit letzter Kraft bemüht, einen Rest der Fassade aufrecht zu erhalten, die seinem Beruf entspricht, unnötige Gänge, hilfloses Rudern mit den Armen…

Sich an jedem Lächeln, dass ihm gilt festhaltend, wie ein Ertrinkender am Strohhalm.

Für unzählige Menschen war dieser Tag, wenn sie abends die Füße hoch nehmen, ein einziger Genuss.

Für einen einzelnen Menschen war dieser Tag, wenn er abends die Füße hoch nimmt, eine einzige Tortur…

ALLES SCHWINGT!
Petra

Raum und Zeit für Gefühle

Seit Jahren schreibe ich Gefühlsgeschichten und verlege sie auch selbst. Mal sind es Gedichte, mal kleine Erzählungen – aber unabhängig von der Form der Texte geht es mir immer um „das Eine“: Unsere Gefühle.

Unser Kopf mag der Meinung sein, ihm obliegt die Führung –

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Ein wenig VER-RÜCKT tut der Seele gut

Ich habe schon an anderer Stelle über den Charme der leichten Verrücktheit geschrieben und darum möchte ich auch hier berichten von meinen Erfahrungen „damit“.

Als ich vor fast 6 Jahren anfing, nicht nur zu schreiben, sondern auch gleich noch meine eigenen Texte selbst zu layouten und drucken zu lassen – ja, da ging ein Aufschrei durch meine kleine Welt!

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Was bist du, wenn…

Vor einigen Tagen erreichte mich die Frage eines Menschen mit sehr viel Herz und Verstand:

„Was bist du Petra, ohne irgendwelche Beziehungen und Rückmeldungen anderer Menschen? Was bist du für dich allein? Was bist du, wenn du ganz allein auf einer Insel bist, dich mit keinem anderen Menschen vergleichen kannst, es keine Bestätigung oder Feedback gibt, was bist du dann für dich?“

Diese Frage ist eine der schwierigsten überhaupt und ich bat mir Zeit zum Nachspüren aus. Nun gebe ich die Antwort hier, denn sie fügt sich ein in diese „Gefühlsgeschichten“.

Wäre ich auf dieser imaginären Insel, auf mich allein gestellt, ohne Kontakte, ohne Austausch, ohne Feedback

vor 10 Jahren gewesen, wäre ich noch daran verzweifelt. Ich habe mich damals viel zu sehr über Zustimmung oder Ablehnung definiert und war meiner selbst nicht sicher, kannte mich eigentlich noch gar nicht. Heute ist das anders.

Heute kann ich die Frage beantworten: Petra, was bist du?

Ich bin Kopf-Körper-Herz

–        Ich bin Kopf, denn mein Verstand ist mittlerweile fähig, meine Lebensumstände                    rational einzuordnen. Mein Kopf ist Berater, Abwäger, Logiktransporteur,                                  Realitätenerkenner

–        Ich bin Körper, denn ich habe gelernt, mich so zu lieben und anzunehmen, wie ich bin.          Nicht mehr falschen Idealen folgend, die eigene Schönheit erkennend trotz Narben an          Körper und Seele

 –        Ich bin Herz, denn meine Liebe ist vielschichtiger als früher und macht sich nicht                  mehr nur an einem ´Objekt meiner Begierde´ fest. Die Liebe in mir ist gereift mit                  mir, gewachsen und wandelbarer als je vorher.

Ich bin Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft

–        Meine Vergangenheit hat mich geformt und mich mittels Lektionen das Leben                        gelehrt, hat mir Illusionen und Gesundheit geraubt, hat genommen und gegeben, ist             das Schleifpapier gewesen, das mich modellierte und hat in mir die Basis gelegt, für               das, was ich heute bin

–        Meine Gegenwart ist zu leben im Hier und Jetzt, jedem Tag etwas Positives                                abzuringen, meinen verbliebenen Träumen den Weg zu bahnen, mir selber kleine                  Feste zu bereiten, in mir ruhen zu  können ohne den stetigen Zuspruch von anderen              zu brauchen, in meinem Außen nicht mehr den Spiegel meiner selbst zu suchen,                    unter  meinen Füßen einen festen Stand zu spüren und lieben zu können in einer                  Intensität  und Vielschichtigkeit, die ich früher nicht für möglich hielt

–        Meine Zukunft liegt im Nebel der Zeit, sie ist erfüllt von Tälern und Höhen, sie spricht          von Ungeahntem-Unbewusstem-Nicht-Greifbarem. Sie entsteht, indem ich meinen                Lebensweg gehe, ohne zu wissen, wann er enden wird.

Ich bin Kopf-Körper-Herz-Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft – ich bin das Wissen um die Liebe, das Trauern um Verlorenes, das Vertrauen in das Leben, die Hüterin meiner Wünsche – die Wächterin über meine Seele.

Und du, der du mich hier besuchen kommst – sag, was bist du?

 Alles schwingt! Petra

Alles im Leben hat seine Zeit

Alles im Leben hat seine Zeit,
alles im Leben hat seinen Sinn.
Wenn wir unsere Täler durchqueren,
sehen wir ihn nicht,
denn wir sind blind vor Tränen.
Doch wenn wir langsam und bedächtig
Fuß vor Fuß setzen
aus diesem Tal heraus,
dann klärt sich der Blick und
wenn wir die Höhe erreicht haben,
erkennen wir beim Rückwärtsschauen
den Sinn in jedem unserer Schritte.

Alles im Leben hat seinen Sinn,
alles im Leben hat seine Zeit.
Das Lachen, das Weinen,
das Glück und die Verzweiflung –
sie alle sind Farben
unseres ureigenen Regenbogens,
der sich nur für uns über uns wölbt
und der uns begleitet
vom ersten Tag unseres Lebens
bis zum Ende unserer Zeit –
Dieser Zeit, die erst dann enden wird,
wenn alles im Leben seinen Sinn macht.

© Petra Jähnke 2012

veröffentlicht in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“ im Lyrika Verlag 2013

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