Vom Einblick und Durchblick mit Augenzwinkern

Es war einmal ein weibliches Wesen – völlig unbedarft wenn es um Marketing-Strategien, geschweige denn Kalt- (gibt es eigentlich WARM-?) Akquise geht.

Es kam, im Gepäck einen Batzen mit Gefühlsgeschichten beschriebenen Blättern, in die Social Media-Welt, weil alle sagten: Nur dort kannst Du viele andere Menschen finden, die deine Blätter lesen wollen. So tauchte es ein, lernbereit, wissbegierig und offen für neue Lehren. ´Webinare´- ehrfürchtige Stille löste dieses Wort aus in ihm. ´Melde dich an! Schreibe dich ein! Nimm teil! ´

Also meldete es sich an, nahm teil und saß bei den ersten Lektionen kerzengerade und voll konzentriert vor dem Monitor. Begriffe flogen ihm um die Ohren und der Stift flog über das Papier. Notizen füllten ein extra angeschafftes Heft und die folgenden ´Webinare´  waren terminlich fixierte Ehrensache – lernen, verstehen, eintauchen…

Nach dem achten dieser Seminare im Web (endlich hatte es begriffen, was dieser Kunstbegriff aussagen sollte!) sackte die anfängliche Begeisterung massiv in sich zusammen. Affiliate? Nein, nichts was in Frage käme – es wollte doch nur seine liebevoll beschriebenen Blätter anderen zugänglich machen! Im selben Maße, wie die Begeisterung sank, kamen auch wieder die bildhaften Gedankenblitze zu dem weiblichen Wesen zurück. Moderne Rattenfänger, so dachte es für sich und sah diese fröhlich flötend voran marschieren, während all die Unbedarften und Gutgläubigen hinterher trippelten in der Angst, die Ausschüttung des maximal Möglichen zu verpassen.

Gut, die Lektion war gelernt.

Und es sammelten sich weitere an, um es summa sumarum klüger zu machen. ´Synergien´ (auch eines dieser wahnsinnig beeindruckenden Kunstworte) schienen überall anderswo sich zu manifestieren, nur nicht bei ihm. ´Kontakte schaden nur dem, der keine hat´ – auch einer dieser wunderbar vielsagend-nichtssagenden Sätze.

Wie sagte doch gleich die Großmutti schon? „Der kocht auch nur mit Wasser!“ Ein anderes geflügeltes Wort kam ´geflogen´: Viel Lärm um nichts!“

Was wirklich zählt, auch in dieser virtuellen Gemeinschaft, sind die einzelnen Menschen. Genau wie im realen Leben sind Hunderte um dich herum, die du vom Sehen kennst, mit einem Kopfnicken grüßt, manchmal grübelst ´wie war nur gleich der Name?´ Dann gibt es ein paar Dutzend, die sich Bekannte nennen können – so im Vorübergehen „Wie geht es denn so? Schöner Tag heute, nicht wahr! Also das Fußballspiel gestern Abend….!“

Und es gibt diejenigen, die dem eigenen Leben näher gekommen sind, mit denen man Gespräche geführt hat – richtige! Nicht diese belanglosen Konversationen! Diejenigen, die auch dem Herzen näher rücken, bei denen man Gleichklang spürt.

Ergo ist die virtuelle Welt, egal in welchem Rahmen und unter welchem Namen, auch nur ein Spiegel der alltäglichen? Nein, nicht ganz. Virtuell getragene Masken lassen sich länger tragen. Fassaden, klug aufgebaut, halten länger stand.

Noch eine Lektion, die es wert ist, bewahrt zu werden.

Wie sagte Mutti schon? ´Du kannst alt werden wie ´ne Kuh, du lernst immer noch dazu!´ 

 

Petra – 2013