Stehaufmännchen – Stehaufweibchen

Angst umwandeln in heilsame Energie

Beängstigende, bedrohliche und Grenzen setzende Krankheiten gibt es genug. Eine Krebserkrankung oder eine andere lebensbedrohliche Diagnose ist eines der einschneidendsten Erlebnisse überhaupt. Das gesamte Leben verändert sich, ob man will oder nicht.

Die Umstände zwingen uns in Bahnen, die wir nie für uns einkalkuliert hatten. Wir werden ausgebremst, der Kräfte entraubt, verlieren den Lebensmut und sehen keine Zukunftsperspektiven mehr für uns.

Angst ist der größte Energieräuber.

Angst ist einer unserer Urinstinkte. Angst warnt uns vor Gefahr und hat unsere Vorfahren durch den Fluchtimpuls retten können vor Angriffen und Bedrohungen. Aber Angst lähmt auch. Starr vor Angst zu sein bedeutet zugleich, ein leichtes Opfer darzustellen für das, was uns bedroht.

Die Opferrolle ist die undankbarste überhaupt. Sie verdammt uns zur Untätigkeit, macht uns zur Marionette unserer Erkrankung oder Umständen und zusätzlich in den Händen von Menschen, die in bester Absicht zu wissen meinen, was für uns das richtige sei.

Diese Opferrolle zu verlassen, ist unser einziger Weg, um wieder Verantwortung für uns selbst übernehmen zu können. Wissen in Form von jeder nur zur Verfügung stehenden Information anzuhäufen hilft dabei. Wer ebenso gut Bescheid weiß über seine Krankheit wie über die möglichen Behandlungen, kann seine Angst eindämmen, ihr den Platz rauben, um übermächtig zu werden.

Wenn wir unsere Ängste, Sorgen und Schmerzen in Worte fassen können, nehmen wir ihnen einen Großteil der Macht, die sie über uns haben.

Hinfallen kann jeder, nur liegen zu bleiben wäre fatal. Sich immer wieder aufrappeln zu können ist die hervorstechendste Eigenschaft eines Stehauf-Männchens oder eines Stehauf-Weibchens. Die Psychologie hat dafür den Begriff der Resilienz.

Die Kraft dafür ruht in jedem von uns. Egal, in welcher Gestalt die Angst zu uns kommen mag –alles beginnt in uns selbstDort liegen der Anfang, das Werden und das Ende unserer Gefühle.

Dort ringen aber auch Gefühle miteinander. Wenn wir Worte finden für jedes von ihnen, geben wir uns die Chance, über die kraftraubenden zu siegen mit kraftspendenden wie Zuversicht, Lebensmut und innerer Stärke.

Angstfrei reden zu können, gibt den Worten Raum für alles, was sich im inneren Nebel der sich vermischenden Gefühle tarnen und verstecken kann.

 

2012 erschien mein zweites Buch, angefüllt mit Gefühlsgeschichten und das Gedicht, das ihm den Namen gab, folgt hier:

 

Jetzt erst recht

 

Was willst du noch, Welt?

Hast genug mir genommen,

hast den Weg mir verstellt –

bin durch Meere geschwommen,

von den Tränen geflutet,

die ich geweint.

An Herz und Körper geblutet,

und stets gemeint:

es geht nicht mehr schlimmer!

Doch du zeigtest mir nur:

Eine Steigerung gibt´s immer…

Es setzte sich fort die Tortur.

 

Was willst du noch, Welt?

Hab den Wegzoll schon lange

gezahlt und mich

in die Reihe gestellt!

Nein, vor dir ist mir

nie wieder bange –

Denn du nahmst mir so vieles,

mit dem mein Herz verbunden.

Und im Verlauf deines  Spieles

schlugst du mir tiefe Wunden.

Lehrtest mich kennen

das Wort Verzicht,

und den Verlust von Liebe!

Doch meinen Lebensmut

kriegst du nicht!

Selbst wenn ich mich

daran zerriebe!

 

Welt –  Dies jetzt ist meine Zeit!

Die Waagschale muss sich heben.

Ich gab dir alles, nun ist es soweit

für ein kleines Stück vom Leben!

Ein unfairer Handel war das bisher,

du hast von mir nur genommen –

Ich fordere jetzt mit Nachdruck sehr,

eine Portion Glück zu bekommen!

Angst? Was ist das! Vergangenheit!

Um mein Leben zu fürchten, wäre schlecht.

Denn alles hat seine eigene Zeit –

Und drum sage ich: Jetzt erst recht!

 

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