Schein und Sein

Von Blendern, Schaumschlägern und den Rollen unseres Lebens

Ob es im realen Leben oder im virtuellen ist – wir alle tragen unsere Masken, die unseren jeweilig auszufüllenden Rollen entsprechen.

So bin ich beispielsweise als Autorin und Selbstverlegerin in einem (wichtigen) Teilbereich meines Lebens unterwegs, den ich so authentisch wie möglich nach außen darzustellen bemüht bin.

In meinem Privatleben kommt ein anderer, weitaus umfassenderer Teil meines Selbst zum Tragen.

 

Rollen zu erfüllen ist nichts Anrüchiges, geschweige denn Verwerfliches.

Rollen auszufüllen bedeutet nicht zwangsläufig, eine Rolle zu spielen.

Darin liegt ein massiver Unterschied.

Eine Rolle auszufüllen bedeutet, einen Teilbereich des eigenen Lebens den eigenen Möglichkeiten entsprechend authentisch ins Außen zu transportieren.

Wir werden immer nur einige Facetten unseres Selbst in diesen Teilbereichen unseres Seins aufblitzen lassen.

Niemand möchte „nackt und bloß“, also quasi ohne jegliche Schutzfunktion, vor den Augen der gesamten Welt agieren. Das ginge viel zu weit, würde alle natürlichen Schutzräume sprengen.

Rollen auszufüllen mit den ganz persönlichen Charaktereigenschaften, das ist, was Authentizität meint.

 

Viel zu oft gibt es aber die total aufgesetzten Rollen, die als Masken getragen einen Schein vortäuschen sollen, der sich, wenn die Fassade einen Riss bekäme, in Rauch auflösen würde.

Oftmals kommen die wahren Maskenträger recht lange unenttarnt durch das Leben und der Begriff Blender packt schon vieles in dieses eine Wort.

Sie blenden ihre Umwelt mit einem nach außen getragenen Schein, der im wahrhaften Sein keine Bestätigung findet.

Für diesen kleinen Artikel habe ich auf zwei Texte von mir zurückgegriffen, die entstanden sind als kurze, prägnante Gedichte. Also in einer Form, die mir besonders entspricht, wenn ich schnell auf den Punkt kommen möchte.

 

Blender

Große Worte, wie eine Fahne vor sich getragen, bleiben unbestätigt beim Hinterfragen.

Luftgitarrenspiel mittels blumigen Schwalls aus Wortgebilden bar jeden Widerhalls.

Welten gebaut mit beschwörendem Blick, brach gutgläubig Glaubenden schon das Genick.

Manch großes Wort ist der Wahrheit Mord.

 

Eine andere, sehr treffende Bezeichnung ist

 

Schaumschläger

Man trifft sie überall, diese Menschen, die nur reden –

Die wie unter Strom erscheinend ihre Luftblasen produzieren,

unter denen man kurzfristig zu ersticken glaubt –

so vereinnahmend und überrollend kommen sie daher.

 

Sie tragen ihre Defizite, getarnt hinter lautem Lärm um nichts,

durch ihre Tage und sie treten dir zu nah, ohne es zu registrieren.

Sie sind an den eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert und kaschieren

ihre Angst vor der eigenen Schwäche durch lautes Gehabe.

 

Sie schlagen Schaum mit fast jedem Wort, machen mehr aus sich selbst

und allem um sich herum, um größer, stärker und klüger zu erscheinen –

im Grunde nur für ihr eigenes Selbstwertgefühl.

 

 

Natürlich ist mir klar, dass es noch wesentlich mehr unterschiedliche Maskenträger gibt.

Die Rollen, die im Leben zu spielen möglich sind, scheinen zahllos.

Viele davon sind vollkommen legitime Teilbereiche unserer Persönlichkeit.

 

Doch wenn die Absicht der Täuschung, der Arglist, der eigenen Vorteilsnahme dahinter steckt, entsprechen solche Rollen für den schönen Schein absolut nicht mehr dem wahren Sein.

 

Wir tragen unseren Teil dazu bei, ob am Ende unseres irdischen Auftritts, wenn der letzte Vorhang fällt, Applaus zu hören sein wird oder Buhrufe…

Denn wir sind alle Darsteller und Publikum zugleich.

 

Alles schwingt!

Petra Milkereit, 12.04.2016

 

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