Achtsamkeit – Sorgsamkeit

Achtsam zu sein, bezieht sich darauf, jeden einzelnen Moment, den wir erleben, offen, interessiert und akzeptierend wahrzunehmen, ohne zu werten oder unruhig zu werden.

Achtsam zu sein für alles, was man tut und für alles, was um einen herum geschieht, bedeutet, mit seinem gesamten Denken und Fühlen im Hier und Jetzt zu bleiben. Je besser uns das gelingt, umso ruhiger und gelassener werden wir.

Achtsamkeit ist das Gegenteil von Multitasking, denn eine Aufgabe konzentriert zu erfüllen ist vernünftiger, als mehrere Dinge gleichzeitig, und somit keines davon mit 100prozentiger Aufmerksamkeit zu erledigen.

Das Ziel der Achtsamkeit ist es, das ständig sich drehende Gedankenkarussell zu stoppen, dessen Einflüsse auf unsere momentane Situation wahre Energieräuber sind. Sich in Achtsamkeit zu üben, wird uns nach und nach befähigen, immer mehr Ruhe in unseren Tag  zu bringen.

Achtsam zu sein heißt, mit Ruhe und Gelassenheit den täglichen Einflüssen und Geschehnissen unseres Lebens zu begegnen.

Sorgsam zu sein, betrifft einen anderen, grundlegend wichtigen Bereich unseres menschlichen Lebens: unser Selbst.

Sorgsam zu sein ist ein Synonym für bedächtig, rücksichtsvoll, respektvoll, pfleglich, sachte und sanft.

Sorgsam bedeutet, bedacht und mit liebevollem Blick auf jedes noch so kleine Detail von dir selbst und deinem Nächsten zu schauen. Dich besonnen und geduldig einzulassen auf das, was dich zu dem macht, der du bist. Den Fokus mit Respekt und Achtung auf dich selbst zu richten, um dich zu verstehen in all deiner Vielschichtigkeit.

Einander sorgsam zu begegnen setzt eine liebevolle Akzeptanz voraus, die bei dir selbst beginnen muss. Dich selber zu erkennen und zu akzeptieren, kann eine Aufgabe sein, die bis an die eigenen emotionalen Grenzen führen mag – aber erst dann sind Achtsamkeit und Sorgsamkeit keine leeren Worthülsen mehr, keine einstudierten Mechanismen.

Alles beginnt in dir selbst, hat dort seinen Fortbestand und macht in dir auch seine Wachstumsprozesse durch. So wie man Lesen und Schreiben gelernt hat, lernt man auch, sich selbst – und andere – zu verstehen.

Manch einer hat es verloren, dieses Körperbewusstsein, das man braucht, um Reaktionen der Befindlichkeit unseres Körpers wahrzunehmen. Nicht zuordnen zu können, was in diesem Moment den eigenen Körper quält, keine Zusammenhänge von Ursache und Schmerz herstellen zu können, begrenzt unsere eigene Wahrnehmung immens.

Ebenso begrenzend und einengend ist es, die eigenen Narben auf der Seele nicht wahrhaben zu wollen. Sich nicht in all seinen Facetten, seinen Schwächen aber auch seinen Stärken anzunehmen, macht es schwer, sorgsam zu handeln. Sorgfaltspflicht gilt nicht nur anderen gegenüber, Schutzbefohlenen, Kindern, Kranken. Sie gilt ganz besonders auch für dich selbst.

Sorgsam zu sein mit dir selbst, setzt erst die Fähigkeit frei, es auch gegenüber anderen zu sein.

Sorgsam bedeutet, niemanden zu verletzen durch das eigene Handeln oder unbedacht geäußerte Worte. Genug Sprichwörter und Zitate vermitteln genau diese Aussage.

 

2012 schrieb ich diese Zeilen:

Worte wie Pfeile

Abgeschossen, warum auch immer –Im Streit, im Affekt, um sich zu verteidigen, um den anderen klein zu machen, zu verletzen.

Worte, Pfeilen gleich, wie durch Butter ungehindert ihren Weg nehmend und  tief ins Mark treffend,

ins Herz und die Seele zielend, sich mit kleinen Widerhaken unlösbar  verankernd.

Unsichtbare Waffen von großer Schlagkraft und mit nachhaltiger Wirkung.

Irgendwann mit  lässiger Handbewegung vom Tisch gewischt. Den eigenen Seelenmüll entsorgt, Frust abgeladen… Andere Seelen verletzt, Täterschaft  ohne Beweismöglichkeit.

 

Niemand wird dich je so wahrhaftig und gleichzeitig liebevoll erkannt haben, wie du dich selbst. In den elementaren Augenblicken des Lebens wird dir niemand raten können, wie du handeln solltest, dich entscheiden müsstest, reagieren könntest.

Keiner wird das Wissen über deine innerste Menschlichkeit mit all ihren Verletzungen, Ängsten und Vergangenheitsbewältigungen haben, außer dir selbst.

Im endscheidenden Moment sind wir immer auf uns gestellt, allein.

Klingt dieser Satz unangebracht hart? Er fasst nur die Wahrheit in Worte.

 

Wir mögen noch so viele Menschen um uns haben, die uns nah sind, uns lieben – eine bestimmte Art von Lebensweg haben wir allein zu beschreiten.

Hat man dann sein Leben geführt, als gäbe es nichts, auf das sorgsam, pfleglich und liebevoll geachtet werden muss, wird ein zu bewältigender Schicksalsschlag kaum als er-tragbar erscheinen.

Sorgsam zu sein mit sich selbst, setzt erst die Fähigkeit frei, es auch gegenüber anderen zu sein.

 

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