SEELENSCHAUKEL – Das Weihnachts-Special 2017

Seit fast drei Jahren gibt es die SEELENSCHAUKEL, meinen Online-Seminarraum bei Sofengo. Viele Webinare haben dort schon stattgefunden und auch 2017 beschließt wie immer  ein Weihnachts-Special das Kalenderjahr.

Für alle, die nicht dabei sein konnten und für die, die es gerne nochmals in einer stillen Stunde für sich wiederholen mögen, folgen nun hier die Texte und die Lieder dieses besonderen Abends. Ihnen/Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes, erfolgreiches Neues Jahr!

Herzlichst, Petra Milkereit

Willkommen zu einer Stunde voller Auszeit vom hektischen Alltag, an einem Ort, wo DEM Raum, Platz und Zeit gegeben wird, was wirklich zählt auf dieser Welt: Der Phantasie, der Hoffnung, der Ruhe, der Liebe und unserer Seele. Alles schwingt!

Beginnen möchte ich diesen Abend mit einem neu geschriebenen Weihnachtslied, das sich schon nach dem ersten Hören in mein Ohr geschlichen hatte. Es ist komponiert von José Rodriguez und gesungen von Hanna Czarnecka und ihm selbst. Begleitet von wundervollem Sandpainting von Conny Klement – Viel Freude!

Nicht nur meine eigenen Texte sollen diese SEELENSCHAUKEL füllen und so beginne ich mit diesem, sicher vielen bekannten Artikel aus der „New York SUN“:

Vor mehr als 100 Jahren schrieb die achtjährige Virginia O’Hanlon einen Leserbrief an den „New York Sun“ in einer dringenden Angelegenheit:

„Ich bin acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ‚Sun‘ steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“

Die Sache war dem Chefredakteur der „New York Sun“ so wichtig, dass er einen erfahrenen Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite der Zeitung. Der Text wurde so berühmt, dass er Jahr für Jahr aufs Neue erschien. „Welt Online“ dokumentiert den Text in deutscher Übersetzung.

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.
Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig.

Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen würde den Weihnachtsmann zu Gesicht bekommen. Aber was würde das schon beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen –, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles.
Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein.

„Ist das denn auch wahr?“, magst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia! Dein Francis Church

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wundervoll beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins weite Feld,
hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857)

 

Advent von Loriot

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
läuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
am Niklasabend muß es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie direkt von vorn
den Gatten über Kimm und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
(was der Gemahl bisher vermied) -,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt zum Schluß, es geht auf vier,
die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!
He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?

Des Försters Haus ist tiefverschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:
Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann.
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

(Loriot alias Vicco von Bülow)

Märchenland

Geh´ wie im Traum an deiner Hand

durch dieses weiße Märchenland.

Aus dicken Wolkenkissen droben

schweben Flocken sanft zu Boden.

Spür´ intensiv diese Magie –

fühle sie stark, so wie noch nie.

Vor meinem inneren Aug´ entsteht

ein Bild, ganz schnell ist es verweht…

                                                Doch das Gefühl, dazugehörend 

legt sich um mich, fast wie beschwörend.

Zaubert Vergangenheit herbei,

fühle mich jung und stark und frei!

Spüre in mir den Übermut,

die Freude und die Lebensglut!

Wie früher, an noch andrer Hand,

bin ich sorgenfrei im Kinderland.

Und du, der meine Hand nun hält,

machst, dass ein Stern vom Himmel fällt.

Petra Jähnke 2016

Ankunft

Das Jahr neigt sich dem Ende zu,

die Seele kommt ganz sacht zur Ruh.

Man schaut zurück auf das, was war,

und wird sich über vieles klar.

 

Der Ärger an so manchem Tag

begründet in uns selber lag.

Die Freude, meist zu kurz gekommen…

Der Blick, durch Tränen oft verschwommen.

 

Die Liebe, die ins Leere lief.

Die Hoffnung, die im Innern schlief.

Die Stunden, angefüllt mit Schmerzen.

Enttäuschungen, ganz tief im Herzen.

 

Und in der Zeit zum Ende hin

sammelt sich alles, macht dann Sinn.

Advent bedeutet einfach schlicht

die „Ankunft“ einer neuen Sicht.

 

Klug, wer ein Resümee nun zieht,

voll Nachsicht auf Vergangenes sieht,

sich selbst und anderen verzeiht –

dies ist der Sinn der Weihnachtszeit.

Petra Jähnke 2016

 

Zwiegespräch mit dem Schöpfer

Herr, dies ist das Fest der Geburt Deines Sohnes. Er, der ein Symbol und Versprechen sein sollte, dass durch sein Erscheinen auf Erden die Barmherzigkeit, die Vergebung, die allumfassende Liebe und der Frieden auf unsere Welt kommen würden.

Nur wird unsere Welt immer mitleidloser, grausamer und selbst-zerstörerischer und ich weiß bald keine Antwort mehr auf die Frage: Wo bist Du? Ja, ich weiß auch, dass unsere Selbstbestimmtheit eines Deiner großen Geschenke an uns ist. Selbstbestimmtes Denken und Handeln ist uns damals auch mit in die Krippe gelegt worden. Waren und sind wir nur nicht reif genug dafür, diese beiden Gaben auch sinnvoll für uns und unseren Nächsten einzusetzen? Sind wir immer noch zu verblendet, zu selbstsüchtig, zu beeinflussbar?

Zwei große Ströme überfluten die Erde.

Der eine ist voller Hass, Zerstörungswut und er bringt den Tod. Die beteiligten Parteien führen alle Dich in ihrem Namen und dies nicht erst seit heute. Schon seit Jahrhunderten erheben die unterschiedlichsten Gruppen und Völker Schwerter und Gewehre, um ihrer Umwelt den, ihrer Meinung nach, einzig rechten Glauben zu bringen. Unzählige Leben wurden und werden diesem Ziel geopfert.

Der andere wird gebildet von denen, die  erkennen, dass wir alle gleich sind vor Dir. Denen bewusst ist, dass nur wir selbst es sind, erfüllt mit Deiner Liebe und dem klaren Blick auf diese unendlich große, einzigartige Schöpfung, die dem Strom ins Verderben entgegenstehen können. Die Kraft der allumfassenden Liebe ist die einzige Macht, dem Unheil zu begegnen. Schaust Du vielleicht gar nicht weg, sondern siehst Du jeden Einzelnen?

Nur – warum müssen dann Unschuldige sterben auf dem so schweren Weg hin zur Liebe und Vergebung… Ich kann Dich oft nicht verstehen, Herr. Heute Nachmittag sah ich voller Freude Berichte über Deine so grandiose Natur. Über die meisterliche Schöpferkraft bis hinein ins kleinste Detail, die alles mit allem verbindet. Wir haben allen Grund, glücklich zu sein auf diesem Planeten, dieser blauen Kugel im unendlichen Universum! Wer offene Augen hat, sieht die Schönheit um sich herum und spürt es, dieses Gefühl des Verbunden-Seins mit ALLEM.

Wir haben noch mehr Geschenke erhalten! Wir haben unsere Sprache, um unsere Emotionen mit anderen zu teilen und wir haben die Künste, allem voran die Musik – sie ist eine Weltsprache und wird überall verstanden. Wir haben ein mitfühlendes Herz, das das Leid eines Einzelnen sieht und helfen will. Warum verschließt es sich, wenn es um das Elend von vielen geht? Ist das Leid dann zu groß, um es noch ertragen zu können, würde man genau hinschauen?

Viele Fragen an Dich, Herr. Geduldig hast Du zugehört, ich weiß.

Eine Antwort kann wohl nur der bekommen, der Dich trifft, dort wo Du wohnst – im eigenen Herzen. Ich werde lauschen in der Stille, um sie nur ja nicht zu überhören…

Petra Jähnke 2016

 

Ihnen/Euch allen friedvolle, liebevolle und harmonische Feiertage!

Und denkt immer daran: ALLES SCHWINGT!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s