Archiv für den Monat April 2016

Vom ersten Eindruck und möglichen Überraschungen

Sie war nach Berlin gefahren, um ihre Freundin zu besuchen und bei der einige andere herzensnahe Mädels zu treffen. Und sie hatte ihren Koffer vollgepackt mit Büchern! Ihren eigenen Büchern!

Der bis dato zurückgelegte Lebensweg war alles andere als einfach, fröhlich, problemlos oder voller Gesundheit gewesen. Und nachdem sie die Fünfzig – eine Fünf mit ´ner Null,  unglaublich! – hinter sich gelassen hatte, begann sie zu schreiben. Doch diese Tatsache soll hier nicht das Thema sein.

Eines Abends im Garten des Hauses, wo sie zu Besuch war, wurde eine Lesung organisiert. Ihre Freundin hatte eingeladen zur Gartenparty plus Lyrik und es kamen ca. 20 Menschen. Gartenbänke und –tische standen arrangiert auf dem Rasen und in einer kleineren „Strandecke“ mit feinem Sand und einem Strandkorb versehen, stand sie mit ihren Büchern in der Hand. Sie las, sie erzählte dazwischen und sie war ganz bei sich. Voller Freude, dort im Sonnenschein zu stehen und ihre eigenen Gedichte vortragen zu können.

Einer der Gäste hatte sie, bevor die Lesung begann, gefragt, ob er filmen dürfe. Ok, wenn es denn privat bleiben würde, ja.

So weit, so gut.

Er filmte fleißig und er sah sie an, wie sie da im Sand stand und von Gefühlen las, als ob er gänzlich fokussiert auf sie sei. Ihre Freundinnen nahmen sie in der Pause beiseite und flüsterten etwas von „wie hypnotisiert“ schaue er und ähnliches und sie lachte, winkte ab und hatte es sofort wieder vergessen.

Doch dann, die Lesung war vorbei und sie saß zufällig neben dem Hobbyfilmer, kam es zu der absoluten Verblüffung dieses herrlichen Abends.

Er saß neben ihr, schaute immer noch wie fasziniert und sagte folgendes zu ihr:

Also, als ich dich bei der Ankunft hier im Garten das erste Mal sah, dachte ich „nun ja, eine leicht ältliche Frau, Durchschnitt, keines weiteren Blickes wert“

Doch als du da gestanden hast, barfuß im Sand, und begonnen hast zu lesen, zu erzählen, jeden dabei anzuschauen, Reaktionen aufzufangen und auf sie einzugehen, da dachte ich nur:

„Wow! Was ist das?! Was für eine großartige Frau! An dir im Alltag vorbei zu gehen, kann nur heißen, einen erstaunlichen Menschen übersehen zu haben.“

Er schaute immer noch recht ungläubig, bis sich die Runde langsam spät nachts auflöste und beim Abschied sagte sie zu ihm:

„Der erste Eindruck kann oft falsch sein, denn wir legen vorschnell unsere eigenen, vorgefertigten Maßstäbe an Menschen an, ohne ihnen eine Chance zu geben“.

 

Danach saß sie mit ihren Freundinnen beisammen, plauderte, alberte – und war im Innersten doch mehr berührt von dieser Äußerung, als sie zugeben mochte.

Als Ruhe eingekehrt war und sie allein war mit dem Sternenhimmel, dachte sie lächelnd nur eines:

„Wow! Ich bin mehr, als ich selber von mir wusste…“

 

Und seitdem weiß sie: ALLES SCHWINGT!

© Petra, 26.04.2016

 

 

 

 

 

Der Quälmäkel

Kennt jemand von Euch auch einen? Wen, fragt ihr? Kann doch nicht sein, dass der nur bei mir sein Dasein fristet und sein Unwesen treibt!? Den Quälmäkel meine ich!

Er ist immer dann anwesend, wenn irgendjemand in eurem Umfeld nur herummäkelt, wenn ihm dies nicht passt und jenes schon mal lang nicht!

Und wenn eh alle nur blöd sind, nichts verstehen, keinen Geschmack haben und keiner ihm was recht machen kann.

Diese Mäkelei kann einen kirre machen! Da wird sich beklagt, wie schlecht es einem doch ginge – da wird bekrittelt, egal was man auch geleistet hat! Meckern ist ebenso sein Erkennungsmerkmal wie Dauernörgeln.

In feineren Kreisen werden diese Unsitten mit dem Wort beanstanden umschrieben, noch hübscher ist allerdings monieren. Monieren klingt nach Monokel im Auge und führt einen Hauch von Adel mit sich. Die oberen Zehntausend bemängeln oder kritisieren maximal etwas, sie mäkeln selbstverständlich nie.

Nichtsdestotrotz können solche Miesmachereien jeden quälen, der ihnen schutz- und hilflos ausgesetzt ist! Ein Quälmäkel hat kein typisches Erscheinungsbild. An der Optik ist er nicht auszumachen. Er entlarvt sich allerdings selbst, wenn er seiner liebsten Beschäftigung fröhnt, dem dauerhaften Miesmachen, die er in Gestalt eines Menschen deines Umfelds ausführt.

Quälmäkel müssen auf diesen wunderbaren Erdenrund gestoßen sein im Rahmen eines Meteoriteneinschlags oder sie waren vor Menschengedenken Teil einer Invasion. Möglicherweise haben sich Außerirdische dem Befall durch Quälmäkel auf diese Weise entzogen: kurze Landung auf der Erde, alle Mann raus aus dem Raumschiffen und des Quälmäkelbefalls entledigt!  Da kann man nur spekulieren!

Ein Quälmäkel an sich ist ohne ansprechende Form, eher kann man sein wahres Erscheinungsbild  vergleichen mit einer Amöbe. Er schlüpft unversehens in eines deiner Familienmitglieder oder einen Arbeitskollegen und sofort schlägt die Stimmung um: plötzlich ist alles falsch etc. pp.

Hinter vorgehaltener Hand wird als einzig wahre Vertreibungsaktion ein Vorgehen wie folgt angeraten:

Wenn man sich sicher ist, mit einem vom Quälmäkel Befallenen konfrontiert zu sein, hilft angeblich nur, den Betreffenden völlig perplex zu machen mit der Konfrontation der Enttarnung!

Ein lautes „Ich habe dich erkannt, du Quälmäkel! Fahre aus und kehre nie zurück!“ soll schon zu lautem, verblüfftem Lachen geführt haben, auf Grund dessen der Quälmäkel tatsächlich das Weite suchte!

So rufe ich euch auf, die ihr ihn ebenso kennt wie ich:

Kämpfen wir gemeinsam gegen diesen miesepetrigen Befall aus dem All, diesen missbilligend Unwilligen und rüde Rügenden!

Denn: ALLES SCHWINGT!

Herzlichst, Petra