Archiv für den Monat März 2016

Energieräuber und andere heimlich Andockende

Es gab Jahre, da fiel es mir noch nicht auf – da hielt ich dieses Suchen der Nähe zu mir und dieses Ausbreiten von Seelenbefindlichkeiten für Freundschaft, für wahres Interesse an mir.

Ich lebte in dem Glauben, dass sich alles ausgleicht, dass es ein Geben und Nehmen sei – einfach deshalb, weil ich es selbst so empfand und voraussetzte; weil ich gar nicht anders denken konnte.

Irgendwann kam die Phase, in der ich mich seltsam leer zu fühlen begann. Was der Grund dafür sein könnte, erschloss sich mir nicht sofort – ich bin in vielerlei Hinsicht ein „langsamer Brüter“.

Weiterhin war ich da, so gut ich es sein konnte. Mit dem Telefon am Ohr, mit einem Becher Kaffee Aug in Aug, bei ewig langen Mails, die es zu lesen galt und zwangsläufig auch zu beantworten.

Neue Menschen kamen hinzu und mein Kreis erweiterte sich unmerklich.

Jeder mit neuen Sorgen behaftet, mit schweren Schicksalsschlägen kämpfend, seine Altlasten sortierend, neue Ziele suchend, alte Kräfte mobilisierend…

Und dann kam der Zeitpunkt, als es mir bewusst wurde, warum ich mich so unendlich leer fühlte.

Ich war leer! Wenn mich derartige Erkenntnisse überkommen, entstehen als erste Reaktion meist Gedichte, so wie dieses hier:

 

Geben ohne Nehmen 

Bin so alle vom Geben,

vom hinein-fühlen in dein Leben.

Bin so leer vom Erspüren

und dem tief dich berühren.

Bin so ohne jede Kraft,

mich hat das Geben geschafft.

Brauche Zeit zum neu finden,

neue Stärken zu ergründen.

Suche die Quelle für mich,

die ich grad war für dich.

Bin so leer, wer tankt auf?

Komm, ich warte nur drauf…

Niemand kann ununterbrochen Energien an seine Mitmenschen weitergeben. Alles braucht sein Maß, denn wer geben will/soll/möchte, muss unter allen Umständen irgendwo auftanken können!

So schaute ich also mit verändertem Blick auf sie, diese Menschen, von denen ich annahm, zwischen ihnen und mir sei ein Ausgleich da…

Ich schaute oft ohne Erfolg. Diese Erkenntnis schmerzte in vielen Fällen. Sie schmerzt auch heute noch, wenn ich bei so manch einem/einer dieselbe Lücke entdecken muss.

Bleib doch entspannt, sage ich mir dann meist. Es muss nicht zu 100% dieses Auftanken möglich sein.

Aber 50% reichen nicht, um all das aufzufüllen, was man aus vollem Herzen und mit aller Aufrichtigkeit zu geben bereit ist.

 

ich habe schon einmal über viele Jahre mich selbst aus den Augen verloren und diesen Fehler möchte ich keinesfalls in einer so ausgeprägten Art und Weise wiederholen.

Wenn es stets nur wichtig ist, wie sich andere fühlen und man selbst nicht nur in die zweite Reihe tritt, sondern vollständig abhanden kommt, dann spätestens muss man die Reißleine ziehen.

Dieses heimlich-Andocken ist auch eine dieser perfiden Formen der Einseitigkeit im Zwischenmenschlichen. Angedockte lassen sich dann auch gerne ziehen, quasi wie von einer Lokomotive, die mit aller Kraft dem vermeintlich Schwächeren ziehenderweise durch dessen Leben hilft.

Es gehören auch diejenigen dazu, die ganz selbstverständlich erwarten, im Fokus zu stehen. Also immer ein Recht hätten beachtet, beweihräuchert und bemitleidet zu werden.

 

Die Welt ist voll von Energieräubern.

Man sieht es ihnen nicht an, das macht es umso schwieriger, sich vor ihnen in Acht zu nehmen.

Aber das eigene Bauchgefühl sagt sehr früh seine Meinung. Es grummelt, es mäkelt und wir schieben es beiseite, weil wir nicht hören/spüren/ahnen wollen, was sich da so dezent wehrt in uns.

Ich höre und spüre viel mehr als früher  auf MICH. Und es geht mir dadurch um einiges besser!

Alles schwingt!

Herzlichst, Petra

 

 

 

Unglaublich!

Unglaublich… ich habe graue Strähnchen?

Ich habe es noch nicht einmal selbst bemerkt, sondern wurde liebevoll-lachend auf mein Silber im Haar angesprochen.

Natürlich habe ich gespielt empört reagiert – einfach, weil es mir in dem Moment Spaß machte!

Aber wirklich etwas ausmachen? Nein, das tut es mir nicht.

Jahrelang habe ich mir Strähnchen färben lassen, weil es „chic“ aussah. Nun ist meine Naturfarbe (ein je nach Lichteinfall leicht rötlich schimmerndes dunkelblond) nachgewachsen und was geschieht?

Silbrige Seidenfädchen durchziehen es! Völlig unbeachtet von mir haben sie sich in mein Haar geschummelt, noch vereinzelt, aber dafür in großer Anzahl.

Seit Jahren muss ich mich auch damit arrangieren, dass die Fülle immer mehr zu wünschen übrig lässt, aus welchen Gründen gehört hier nicht breitgetreten – es ist, wie es ist!

Und nun schmunzle ich vor mich hin und freue mich, dass meine sich verabschiedende „Löwinnenmähne“ als Ausgleich für mangelnde Masse immerhin ein naturgegebenes Farbenspiel hervorzaubert!

Es gibt so viel Schlimmeres als ein paar graue Haare, nicht wahr? Auch die Aufzählung eines Schreckensszenarios erspare ich mir; wir alle kennen unzählig Grausameres, als Silber auf dem Kopf zu haben.

Die Zeit ist ein wunderbarer Künstler – im Frühling sprießt es in zartem Grün um uns herum, im Herbst malt sie die Blätter in den schönsten Farben bunt. Warum soll sie nicht auch an mir – an uns  – ihren Einfallsreichtum und ihre Meisterschaft beweisen?

Wie ein guter Wein, der alle Zeit der Welt braucht, um zu voller Fülle heran zu reifen, so reifen auch wir.

Ich trage dieses Silber mit Gelassenheit. Es gab schon so viel Schwereres zu tragen – warum sollte ich mir deswegen Gedanken machen? Vielleicht gramgebeugt durchs Leben schleichen und mir aus Frust die Haare raufen, die es eh verdient haben – jedes einzelne – mit liebevoller Hingabe gehütet und gepflegt zu werden?

Nein! Ich wechsle nun also in den Bereich der Edelmetalle über – es ist gut so! Um im Bereich meiner vielgeliebten Wortspielereien zu bleiben (denn eine Handvoll lieber Freundinnen und Freunde nennt mich – angelehnt an den Titel meines ersten Gedichtbandes –  KOI):

So wie es bei den Gorillas den „Silberrückenmann“ gibt, dem uneingeschränkter Respekt entgegengebracht wird, so gibt es eben nun eine Silberkopf-KOI J , mit Sicherheit ungemein wertvoll und einzigartig in ihrer Art:-)

 

Alles schwingt!

Herzlichst, Petra

 

 

Ostern in unserem Leben

Das christliche Osterfest ist die Feier der Auferstehung Jesu.

Ostereier stehen für den Sieg des Lebens über den Tod, für Reinheit und Fruchtbarkeit. Doch dies soll keine Abhandlung werden über christliche Bräuche, deren Ursprung und deren Verknüpfung mit heidnischen Symbolen.

Ostern kann im Leben eines jeden von uns eine ganz besondere Rolle spielen.

Ostern im Sinne von Neubeginn, Aufbruch und Sieg des Lebens.

Wenn wir ganz unten waren, ohne Hoffnung auf Besserung, wenn wir uns so richtig fühlten wie vom Leben vergessen oder zumindest übersehen – dann haben wir gemeint, es gäbe kein Morgen mehr.

Gründe dafür gibt es genug, mehr als hier aufzählbar sind. Einige davon sind Existenzangst, der Verlust unserer großen Liebe, Abschied nehmen zu müssen für immer, schwere lebensbedrohliche Krankheit…

Durch diese Seelentäler zu gehen ist zermürbend, es ist kraftraubend, es macht mutlos und solche Lebensphasen sind die härtesten Lektionen eines Menschenlebens.

Sie jedoch durchgestanden zu haben, an ihnen gereift zu sein und nicht zerbrochen, dank ihnen ganz neue Seiten an sich selbst entdeckt zu haben – das sind die Momente des Neubeginns und des Aufbruchs in eine andere Lebenszeit.

Ich meine es genau so, weil ich es jahrelang erlebt habe. ich kenne diese Täler, die dunklen Stunden, die Selbstzweifel, die Verzweiflung, die Angst vor dem, was kommen mag.

Und weil sie kamen – diese neue Zeit, dieser neue Lebensmut und dieser neue Anfang.

Mein OSTERN hat seine eigene Wertigkeit in meinem persönlichen Leben, denn das Öffnen neuer Türen, die neuen Wege angefüllt mit neuer Kraft waren zeitlich ganz eng verbunden mit dem Osterfest.

Seitdem feiere ich an Ostern auch immer meinen Neubeginn, meinen Neustart auf neuen Wegen, mit neuen Gedanken, neuer Triebfeder im Inneren und einem völlig veränderten Blick auf die Welt.

Allen ein frohes, weil liebevolles, gesundes und ja – auch ein gesegnetes Osterfest.

Herzlichst,

Petra

 

Das Foto zeigt die Kirche in meiner Geburtsstadt Glückstadt an der Elbe.