Archiv für den Monat September 2015

Geliebter Schweinehund

Mein innerer Schweinehund heißt Dojan. Dojan war und ist immer in meiner Nähe. Meist hält er sich dezent im Hintergrund, lümmelt sich uninteressiert in irgendeiner kuscheligen Ecke herum und gähnt bisweilen demonstrativ gelangweilt. Meinen Schweinehund bewusst zu erleben gelingt mir schon recht lange. In der Schulzeit ging es los. Wenn es Hausaufgaben zu erledigen galt, die ihm erschienen wie eine Zumutung für seinen hellen, wachen Geist, wurde er mir bewusst. Er setzte sich blitzschnell bei mir durch, ich nickte ihm zu, murmelte etwas wie „das ist ja alles lachhafter Kinderkram“ und ging meiner Wege. Meine Wege waren schon immer vielgestaltig. Es waren Wege im Herbst, die mich zum Drachensteigen-lassen führten (ja ehrlich! Ich habe das noch erlebt: mit ein paar Jungs und Mädels aus meiner Straße ab hinter den Deich und hooooch mit den selbstgebauten!). Oder sie führten mich in die herrlich große, lichtdurchflutete Scheune von Bauer Hinz, wo einige andere schon mit ihren Klampfen am Üben waren! Viele jedoch meiner frühen Wege waren von enormer Kürze: sie führten mich bis zu der weichen, zum Hineinsinken gemachten Couch meines Elternhauses und dort angekommen, betrat ich mit Winnetou und Old Shatterhand die Prairie, oder mit Hatschi Halef Omar und dem Effendi das Land der Skipetaren! ich las und ritt neben ihnen, wurde angeschossen, in Tipis gesund gepflegt und weinte beim Lesen, ohne Aufhören zu können. Unvergessliche Stunden! Glückliche Stunden! Dojan, so heißt der Hund von Kara ben Nemsi. Ich weiß nicht mehr, in welchem Buch er seinen Auftritt hatte, aber er war sofort ein Teil von mir. Dojan, komm … und er kam.

Später, als es mehr zu lernen galt als reinen Schulstoff, zog sich das brave Tier recht oft zurück in seine warme Ecke und beobachtete mich nur wachsam. Nur ganz selten – also wirklich kaum wahrnehmbar für mein Umfeld! – hatte er seine kurzen Einsätze. Wenn mein innerer Schweinehund mich lockte mit einem Spaziergang neben „ihm“, dem ersten Prinzen meiner Träume, oder wenn er mir zuflüsterte: geh doch an den See, es ist so schön heute, lass uns mit den Füßen im Wasser plantschen! Es konnte sich sehr unauffällig tarnen, das gute Tier. Kaum jemandem fiel es je auf. Dojan, der Inbegriff eines Hundenamens für mich damals. Dojan reagierte auf den leisesten Zuruf! Es reichte damals ein sachtes Klopfen meiner linken Hand an die Außenseite meines linken Beines, so wie „komm, Dojan, du wirst gebraucht!“ Zack, war er da – stellte sich mir in den Weg, schob mich mit der ganzen Kraft seines stattlichen Hundekörpers in eine andere Richtung.

Mein innerer Schweinehund meint es manchmal einfach nur gut mit mir, denn er kennt mich genau – und das seit Jahrzehnten. Sicher, er vertut sich auch hin und wieder. Springt herbei, wenn er gar nicht gebraucht wird, wenn ich ihn nicht gerufen habe – aber ich nehme ihm das nicht übel. Er und ich, wir verstehen uns durch Blicke und Gesten. Er hat lernen müssen, dass ich ihm keine Beachtung geschenkt habe, wie schön und intensiv er auch abgedrängt und weggeschoben hat. Gepasst hat es ihm nicht, aber er hat akzeptiert, dass immerhin ich von uns beiden der Chef bin. Er lernte stillzuhalten, wenn nötig. Ins zweite Glied zu treten, wenn es auch schwer fiel. Aber er wusste ja eines mit Sicherheit: ich liebe ihn auf eine ganz eigene, warme, mit mir selbst nachsichtige Art und Weise wie sonst nichts und niemanden auf der Welt!

Komm, Dojan, bei Fuß – lass uns weiterhin gemeinsam der Welt die Stirn bieten.

© Petra Jähnke, 9/2015

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Sag mir

Sag mir: weißt du, wie sehr ich sie liebe?

Diese Zeit meines Lebens mit dir?

Wär es stets nur ein Kampf und Geschiebe,

wär kein Lachen, kein Glück hier bei mir.

Kenne all diese Nöte und Sorgen,

die uns treffen, so ganz aus dem Nichts.

Hätt´ keine heitere Aussicht auf Morgen,

niemand neben mir, der Gutes verspricht.

Doch in jedem auch noch so tiefgrauen

Augenblick, der auch heut noch geschieht,

kann ich deiner Hand in der meinen vertrauen.

Kann dir folgen, auch wenn mein Aug selbst nichts sieht.

Gehe neben dir, vor dir und folg´ dir –

je nachdem, wessen Schrittlänge zählt.

Sag mir: spürst du die Liebe tief in mir –

Die von nun an nie wieder mehr fehlt.

© Petra Jähnke, September 2015

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