Archiv für den Monat April 2015

Ich liebe

Manchmal, von einem auf den anderen Augenblick, sind sie in mir, diese beiden Worte. Meist enden sie mit „dich“ und es kann passieren, dass ich mich verdutzt frage, wen oder was ich eigentlich meine.

Denn es ist niemand in meiner Nähe, keine Person neben mir. Diese Worte kommen angeflogen wie der Wind, wenn etwas geschieht, das mich freut. Letztens war es eine überraschende Reaktion auf etwas von mir Geschriebenes. Diese Reaktion war bestätigend, zustimmend – ich wusste mich verstanden und ich fühlte sie in mir, diese Freude eines Augenblicks. Und genau dieses Gefühl liebe ich!

Ich habe gelernt, diesem speziellen kleinen Glücksmoment eines Tages Raum zu geben, ihn nicht zu überhören, übersehen, überdecken.

Ein Gespräch, eine achtsame Diskussion kann es auch auslösen – dieses Gefühl randvoll bis ganz oben innen drin zu spüren. Es macht sich breit in mir und ich selbst mache auf, lasse zu.

Es geschieht auch, dass dieses DICH eine reale Person meint: mich! Es hat elendig lange gedauert, mich selbst lieben zu können, oh ja. Seit ich es kann, mich annehmen kann wie es nun einmal ist, seitdem ich meinem Spiegelbild zunicken kann ohne Groll auf alles und jeden – ja seitdem lebt es sich in mir gut.

Klar, auch ein Gegenüber ist hin und wieder gemeint mit diesen wichtigsten Worten, die ich kenne – und auch dann fallen sie mir leichter, kommen sie fast tänzelnd emporgestiegen auf ihrem Weg ans Licht.

Liebe jedoch hat ihre Heimat tief in uns selbst. Liebe wächst, kann unerkannt in einer unserer Seelenecken kauern, ist wandelbar wie ein Chamäleon, verströmt sich (wenn wir sie lassen) an vieles und viele. Liebe ist Basis unseres Seins, Treibstoff unseres Lebensschiffs, Ziel all unserer Bemühungen. Sie ist ein kaschmirweicher Schal für unsere Seele und ein unzerstörbares Schild im Sturm der Alltäglichkeiten, des Einerleis und der Dunkelheit.

Eben kam ein kleines rotes Herz in mein Handy geflattert, geschickt von einem kleinen Mädchen an der Schwelle zur Frau. Dieses Mädchen hat eigentlich noch nie in ihrem kurzen Leben von ihrer Zuneigung gesprochen, geschweige denn, sie durch eine  Umarmung gezeigt. Nun dieses kleine, pochende Herz und ein sachtes „Hab dich lieb“. Und die Sonne geht nicht nur auf, sondern sie schießt raketenschnell an den Scheitelpunkt des inneren Firmaments und die Zeit hält sekundenlang den Atem an. Dies ist so ein Augenblick zum Festhalten, Erinnern, Abspeichern auf der internen Festplatte.

Ich liebe… dich, ja auch. Es… ja, unbedingt! Ich liebe… ohne Erwartung aber voller Gewissheit, dass sich Liebe immer erkennt, wenn sie sich begegnet.

Vergesst nicht: Alles schwingt!

© Petra Jähnke, 4/2015

Foto © by Zwilling

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