Archiv für den Monat Dezember 2014

Die Schwelle in der Zeit

Silvesternacht – inmitten vieler anderer, jüngeren-ganz jungen-gleichaltrigen-älteren, ein paar Minuten vor Zwölf. Ein klarer Sternenhimmel, eiskalte Luft, Stimmengewirr, Lachen, umschwirrt von Trinksprüchen und Musikfetzen steht sie abseits, nur ein paar Schritte, eigentlich noch ein Teil dieser ausgelassenen Gesellschaft und doch wie unter einem Schutzschild nur mit sich allein.

Ein kleines Lächeln umspielt ihre Züge, denn sie ist in Gedanken Jahrzehnte rückwärtsgegangen, sieht sie vor sich, ihre Familie – Eltern, Brüder, Tanten – alle auf Sesseln oder der Couch stehend, durch das Händehalten verbunden miteinander zu einem großen Kreis. Sie warten darauf, in das neue Jahr springen zu können, zählen den Countdown herunter, 3 – 2 – 1 – Prosit Neujahr!

Mit diesem Ruf springen sie alle hinein in die Zeit, die vor ihnen liegt! Man umarmt sich, wünscht sich Gesundheit, Glück, man stößt an miteinander, isst einen Happen („damit du immer genug zu essen und zu trinken hast in neuen Jahr!“). Erst dann geht es lachend und fröhlich hinaus, um mit Raketen die bösen Geister auszutreiben und das NEUE willkommen zu heißen.

Eine Tradition, die ihr viel bedeutete, die sie liebte. Irgendwann verloren gegangen im Laufe der Jahre. Menschen, die Lücken hinterließen, waren nicht mehr. Die anderen verstreut, jeder damit beschäftigt, sein Leben zu leben.

Viele Jahreswechsel folgten ohne diesen Sprung hinein in eine vielversprechende, rätselhaft bleibende Zukunft. Vieles geschah, das sie nie für möglich gehalten hatte. Fast unmerklich ging sie sich verloren in diesen Jahren. Nichts fühlte sich mehr an wie früher, als stünde die Zeit oder – noch schlimmer – als zerrann sie nicht registriert zwischen den Händen.

Die Uhr tickte, um sie herum begannen alle, die Sekunden zu zählen. 10 – 9 – 8 – sie hielt ihr Sektglas in der Hand und schaute zum Himmel hinauf – 7 – 6 – 5 – sie schloss ihre Augen und stand sehr gerade – 4 – 3 – 2 – 1 – sie setzte einen Fuß ganz entschieden und symbolisch voran, trat über eine imaginäre Schwelle hinein in diesen Zeitenwechsel – Prosit Neujahr-Rufe, Raketen gingen in die Höhe, ein paar Sekunden noch nur ganz bei sich, sich selbst zuprostend: „Willkommen, neues Jahr, ich bin zu dir gekommen, über die Schwelle hinweg. Ich stehe mitten in dir. Lass uns schauen, was sein wird – ich bin dabei.“

Umarmungen, Küsse auf die Wangen, lachen, wiegen, schaukeln, Rücken streicheln…

Und im Inneren die zufriedene Gewissheit, irgendwie, so ganz für sich allein, die gute Tradition wieder lebendig gemacht zu haben – für sich selbst, als spürbare Neuerung des Lebens, mit diesem Schritt über die Schwelle – mitten hinein.

© Petra Jähnke

Alles schwingt! Ein gesundes, glückliches Neues Jahr Euch allen!

 

 

2014 im Rückblick

Dankeschön an die WordPress-Elfen, ich staune selber und freue mich sehr über diese Zahlen!

Allen einen guten Rutsch und ein gesundes NEUES Jahr 2015!

Herzlichst wie immer! Petra

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 1.400 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 23 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Es begab sich aber…

Es begab sich aber zu der Zeit,

da alle sich im Recht und Reichtum wähnten,

dass aufrechte Männer und Frauen nicht mehr Lohn und Brot

mittels ihres Hirns oder ihrer Hände Arbeit erwerben konnten.

Denn das Recht hatte viele Gesichter

und der Reichtum keine Heimat mehr unter allen Dächern.

 

Und die Besitzer der Dächer erschauerten bei dem Gedanken,

dass unter dem ihren jene Gestrandeten wohnen könnten,

die aus dem großen Geldtopf des Volkes

ihr Bleiben darunter zahlen würden.

Denn auch die sich im Recht Glaubenden

misstrauten dem Recht und dem Reichtum,

die doch  für alle gelten sollten.

© Petra Jähnke 2014

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Ich werde antworten!

 

 

Käme er heute…

Kämen sie heute an unsere Tür –

würden wir Platz machen in unserer ´Herberge´ für eine hochschwangere Frau und ihren Mann?

Wären wir offener und menschlicher als die Menschen vor 2000 Jahren?

Hätten wir die Gastfreundlichkeit Fremden gegenüber, die Hilfsbereitschaft, die angebracht wäre?

Käme er heute –

was wäre anders, als vor über 2000 Jahren?

Ginge er heute durch unsere Straßen, würden wir in ihm den erkennen, der er ist?

Würden wir seinen Worten mehr Bedeutung zumessen, als es die Menschen seiner Zeit taten?

Würden wir in allem, was er sagt und täte, die tiefe Botschaft der wahrhaftigen Liebe erkennen?

Böten wir ihm die Öffentlichkeit, die nötig wäre, um die Aufmerksamkeit aller auf sich zu ziehen?

Würden die Führer dieser Welt uneingeschränkt der Botschaft von Liebe-Zuwendung-Fürsorglichkeit folgen?

Es gibt ein Lied, das mich begleitet seit vielen Jahren, gesungen von Georges Moustaki. Ich habe leider nur das französische Original finden können, aber den deutschen Text füge ich hinzu.

Mit diesem Chanson wünsche ich allen, die meinen Blog besuchen, ein Weihnachtsfest, das dem ursprünglichen Sinn Raum geben möge. Ich wünsche uns allen Zeit für die, die wir lieben und besonders für uns selbst.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest – Petra

 

 

Kaum bemerkt und unerkannt

Zog er damals durch das Land

Einem Bettler gut genug,

War was er am Leibe trug

Barfuß lief er obendrein,

nein, wer konnte das schon sein

Kaum bemerkt und unerkannt,

Zog er lehrend durch das Land

Was er sprach das war zwar schön

Doch so leicht nicht zu versteh’n

Und zu glauben schwerer noch,

Eine Handvoll tat es doch

Wenn er, der nur Gutes tat,

Je‘ für sich um etwas bat

Pflegte das nicht mehr zu sein

Als ein Lager, Brot und Wein.

Gab‘ man ihm nicht einmal das

Zog er weiter ohne Hast

Kaum bemerkt und unerkannt,

Blieb er dann, als er verschwand

Wer ein Fremder war wie er

Der fehlt keinem allzu sehr.

Und sehr bald, so wie es schien

Hat niemand mehr gedacht an ihn

Nun das ist so ungefähr,

Heut zweitausend Jahre her.

Nichts erhofft die Welt so sehr,

wie seine Wiederkehr

Sonntags machen Frau’n sich schön,

Denn er soll sie festlich seh’n

Längst ist allen Kindern klar,

Wer ihr bester Freund einst war

Männer stellen für den Zweck

Schweigend eine gute Flasche weg

Nur vom allerbesten Wein

Für den Fall der Fall tritt ein

Das er einmal wiederkehrt

Und dann steht vor ihrer Tür

Falls er jemals wiederkehrt

Leider spricht nicht viel dafür.

© Georges Moustaki

ANKUNFT

Das Jahr neigt sich dem Ende zu,

die Seele kommt ganz sacht zur Ruh.

man schaut zurück auf das, was war

und wird sich über vieles klar.

 

Der Ärger an so manchem Tag

begründet in uns selber lag.

Die Freude, meist zu kurz gekommen…

Der Blick, durch Tränen oft verschwommen.

 

Die Liebe, die ins Leere lief.

Die Hoffnung, die im Innern schlief.

Die Stunden, angefüllt mit Schmerzen.

Enttäuschungen, ganz tief im Herzen.

 

Und in der Zeit zum Ende hin

sammelt sich alles, macht dann Sinn.

Advent bedeutet einfach schlicht

die „Ankunft“ einer neuen Sicht.

 

Klug, wer ein Resümee nun zieht,

voll Nachsicht auf Vergang´nes sieht,

sich selbst und anderen verzeiht –

dies ist der Sinn der Weihnachtszeit.

 

©Petra Jähnke

Alles schwingt! Petra

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Zeit der Liebe

„Noch eine gute Woche bis zu diesem furchtbaren Fest!“ dachte sie. Sie stand am Fenster und schaute über die Dächer dieser grauen Stadt, an diesem grau-trüben Tag.

„Was sehe ich eigentlich?“ fragte sie sich selbst. Sie sprach oft mit sich seit diesem Tag, der nie hätte sein dürfen – der ihre Welt binnen Minuten verändert hatte. Eben noch war doch alles gewesen, wie es immer war… Und dann, plötzlich, schlug das Schicksal zu. Sie sieht ihn täglich noch vor sich, am Küchentisch sitzend, die Tageszeitung vor sich, die Brille auf der Nasenspitze und er über sie hinweg schauend, wenn er nicht weiterlas, um mit ihr zu reden.

Mitten in dieser für ihn typischen Haltung weiteten sich seine Augen, er rang nach Luft, seine linke Faust schlug panisch auf seine Brust und…

sein Lebensbuch schloss sich in dieser Sekunde, die alles verändernd-alles entscheidend- alles zerstörend war.

Seitdem ging sie durch ihre Tage wie hinter einer Wand aus Glasbausteinen. Licht fiel zu ihr herein, Umrisse und Schemen nahm sie wahr, aber klare Sicht und Luft zum Atmen waren Mangelware geworden.

Sie funktionierte nur, war reduziert auf die Vergangenheit, auf ihre Trauer, auf diesen fast körperlich zu spürenden, nicht nachlassenden Schmerz der Leere.

„Was ist Leere?“ fragte sie sich laut. Ihre Stimme war dabei so leer, wie der Sinn des Wortes, das sie zu verstehen bemüht war.

Ihr Blick hatte sich längst verfangen in den tiefhängenden Wolken über den fad-farblosen Dächern. Augen, die nichts festhielten, in dem Glauben, es gäbe nichts mehr, das es wert sei genau angeschaut zu werden.

Erinnerungen standen um sie herum, dichtgedrängt und raumgreifend…

„Was ist Liebe?“ Diese sich selbst laut gestellte Frage ließ sie hochschrecken aus ihrer Lethargie. Wo kam sie her, diese als unverschämt unpassend zu empfindende Frage!

Sie kam nicht dazu, deren Herkunft zu klären, denn die Antworten schoben sich aus den sie umringenden Erinnerungen hervor – Antworten, die nur in ihnen zu finden waren.

Wortfetzen, seine Stimme, lachend, foppend, Sonnenlicht über einer blühenden Wiese, seine Hand durch ihr Haar streichend, fröhliches Winken bei der Heimkehr, engumschlungen sich wiegend zum Takt ihrer pochenden Herzen.

Ein leises Lächeln glitt über ihr Gesicht, ausgelöst durch diese Antworten aus der Vergangenheit. Kinderstimmen mischten sich hinein in diese Blitzlichter des hinter ihr liegenden Lebens und ihr wurde klar, dass diese Stimmen immer noch um sie waren. Gereifter, erwachsener, aber DA – Teil des Lebens, heute, jetzt. Stimmen, die fast täglich zu ihr fanden, per Telefon oder durch ein Klingeln an ihrer Tür. Nicht wirklich wahrgenommen von ihr in ihrer Wertigkeit, Wichtigkeit, Ehrlichkeit, Liebe.

In einer guten Woche, so nimmt sie sich fest vor, wird sie sich Mühe geben, sie zu spüren und noch mehr Mühe, sie zu zeigen. Eine ganze Woche noch Zeit, um sich wieder zu erlauben, es in sich zu fühlen: Zeit der Liebe findet immer noch statt. Und sie begleitet uns sogar, wenn sich unser eigenes Lebensbuch schließt.

Vergesst nie: Alles schwingt!

Petra, im Dezember 2014

 

 

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Blinky – Von Sternen am dunklen Nachthimmel und Sternen in unseren Herzen

Immer, wenn die dunkle Jahreszeit kommt mit ihren langen, kalten Nächten und den Menschen in ihren Zimmern auch manches Mal ganz kalt wird ums Herz, dann ist Blinkys Zeit.

Er ist ein sehr kleiner, aber besonders hell leuchtender, sehr wohlig-warmer Stern. Er hat keinen festen Punkt am Himmelszelt wie all seine anderen viel größeren Brüder. Oh nein! Er fliegt schnell wie ein Torpedo zwischen ihnen allen hindurch und bewundert deren Strahlen auf dem samtig schwarzen Untergrund des weiten Universums. Er grüßt den großen Jäger, ein Sternbild am Winterhimmel; er saust um den großen und den kleinen Wagen herum, die nördlich stehen und ganz besonders mag er Kassiopeia, weil dort hindurch die Milchstraße verläuft und viele blitzende Sternenhäufchen in ihrer Nähe sind.

Nachdem er überall vorbeigeflogen ist und Kraft getankt hat, beginnt er seine eigentliche Mission. Winzig klein wie er ist, fliegt er in den dunkelsten Nächten zur Erde hinunter und sucht nach den Menschen, die in stillen Räumen sitzen und deren Herzen kalt sind vor Einsamkeit und Traurigkeit. Denn Blinky kann diese besondere Dunkelheit und Kälte erspüren…

Er hat viel zu tun, der kleine Strahlestern, denn in unzähligen Häusern findet er Menschen vor, deren Leben gerade in der Winter- und Weihnachtszeit ohne Licht und Wärme ist.

Wenn er über einem dieser Menschen seine kleinen schnellen Kreise zieht, dann wartet er auf den passenden Augenblick. Der ist gekommen, wenn sich Tränen aus den Augen ihren Weg gesucht haben bis auf die Lippen des Menschen und von dort salzig-traurig abgeleckt werden. Dann taucht er wie ein Blitz hinein in eine dieser Tränen und  gleitet mit ihr ganz sachte hinab bis ins Herz.

Er flitzt durch alle Herzenskammern und in alle Winkel, bis er jene gefunden hat, in denen die schönen Bilder der Erinnerungen und die Kinderseele des Menschen gelagert sind. Dort schaltet er sein Strahlen ein und gibt all seine Wärme ab, die er hat. Manchmal muss er sehr lange dort verweilen, bis sich das Herz erwärmt und dadurch die Tränen trocknen.

Wenn das aber geschehen ist, dann schleicht er sich ganz vorsichtig durch einen der Tränenkanäle mit den letzten erleichtert geweinten Tränen wieder hinaus und sucht sich das nächste Herz, in das er seine strahlende Wärme legen kann.

Hast du es auch schon erlebt, dieses Weinen und dann dieses warm werden ums Herz? Dann sei sicher:

Blinky, der kleine Strahlestern war bei dir!

Alles schwingt! Petra

 

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