Von dem, was war und dem, was ist

Unser Leben ist einem Strauß strahlend-schöner Blumen gleich.

Wenn wir unseren Weg beginnen, tragen wir die Samen der schönsten Blumen mit uns.

Im Laufe unserer Jahre erblühen sie, eine nach der anderen – eine schöner als die andere.

Jede entfaltet sich in ihrem eigenen Tempo und sie blüht solange, wie es ihr seit ihrer Samenkorn-Zeit vorgegeben ist.

Die Blütenköpfe bilden sich aus – inwendig, geschützt durch die Blütenblätter, entwickelt sich das, was diese eine Blume ausmacht und was ihr Dasein weitergeben wird in Form eines neuen Samens.

Wenn die Blüte als Ganzes sich entfaltet, sich öffnet und dem Licht entgegen strebt, so zeigt sie sich dem Betrachter in ihrer vollen Schönheit und bezaubert ihn allein durch ihr Sein.

Nicht alle Blüten unseres Straußes entfalten sich zur selben Zeit.

Manche sind schon am Verblühen, während sich die nächsten erst zu ihrer Pracht entwickeln. Die verblühten Blumen unseres Straußes verabschieden sich von uns und geben denen, die nun aufblühen wollen, neuen Raum.

So kommt es, dass in unserem Lebens-Strauß ein immerwährendes Vergehen und Entstehen ist und sich seine Schönheit verändert, obwohl er immer der gleiche bleibt.

Die einen Blüten stehen für unsere Kindheit, die anderen symbolisieren unser Alter.

Einige stehen für unsere Fähigkeiten, andere für unsere Schwächen.

Viele von ihnen tragen unsere Kraft und unsere Lebensfreude, manche sind Zeichen unserer Liebesfähigkeit und unserer Abschiede.

Die prachtvollsten unter ihnen verkörpern unsere Gesundheit, doch nicht alle von diesen sind auch die dauerhaftesten.

Verblüht eine, die Teil davon ist, so wird sich keine neue finden, die sie ersetzen könnte.

Doch jede, die vergeht, schafft Raum und Zeit für die Blüten, die aus dem Mangel erwachsen. Ihre Namen sind Geduld und Nachsicht. Sie sind von ganz anderer, doch nicht minder großer Schönheit.

Wenn die Zeit kommt, da alle Blumen erblüht und verblüht sind,

wenn unser Lebens-Strauß vergeht,

so wird von uns das bleiben,

was wir als Samen unserer Umwelt hinterlassen haben.

©Petra Jähnke, 9/2014

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