Straßen-Café

Sonne und Wolken wechseln sich ab. Eine leichte Brise weht herüber vom Meer. Das Straßencafé ist gut besucht, an den Tischen unter den Markisen wechselnde Besetzungen, vorüberflanierende Menschen.

Du sitzt wie im ersten Rang des Stückes „Pulsierendes Leben“.
Der Kaffee ist stark und das Stück Torte kühl und schmackhaft. Der Nebentisch wird frei und nur Sekunden später erobert von zwei Blondinen, eine mit Pferdeschwanz, eine Kurzhaarschnitt. Sie setzen sich, der Pferdeschwanz zerrt aus seiner Tasche eine Jacke „Huch, ist das ein kühler Wind“, dann hektisches Aufspringen „Lass uns reingehen, oben im ersten Stock hat man einen tollen Blick über den Marktplatz!“ Kurzhaar lacht und braust hinterher. 

Wohin-soll-das-Klavier kommt vorübergeschoben: Muscleshirt, braune Haut, stilbrechende bunte Flatterhosen dazu. Neben ihm eine kleine schwebende Elfe von Frau, die dienstbeflissen zu ihm aufstrahlt und an den schweren Tragetaschen schleppt, während er seinen Body der Welt präsentiert und vor lauter Kraft nicht weiß, wohin mit ihr.

Pferdeschwanz kommt wieder raus gestürmt, Kurzhaar hinterher, „Hach das ist mir zu voll da drinnen“, Stühle schieben, Jacke wieder an, den wackelnden Tisch hin und her drehend.
Ein großer, korrekt gekleideter alter Herr steht derweil zwischen den Tischen vor der Eingangstür zum Café und federt, ohne von der Stelle zu kommen, vor und zurück – unsichere Augen, eine deutliche Körpersprache sprechend, `will ich da rein? Will ich nicht? Kann ich mir das erlauben? Nein`, um dann zackig auf der Hacke kehrt zu machen und mit geraden Kreuz gemessenen Schrittes davon zu gehen.

Die beiden Blondinen brausen erneut vorbei, diesmal rein an den Kuchentresen, um zu bestellen.
Da schiebt ein Bauch vorbei, breitbeinig und sich selbst zu viel. Bedeckt von einem trotz Übergröße zu kleinen Hemd und schwer an sich tragend.
Blondi Pferdeschwanz und Kurzhaar stürmen an ihren Tisch zurück, juchzend und kichernd.
Ein Rumpeln ist zu hören, Kopf nach rechts, aha! Jeans, Karohemd, weißes langes Haar unter Cowboyhut zieht eine Sackkarre hinter sich her. Darauf eine hölzerne hochkant gestellte Kiste und oben drauf ein Gitarrenkasten. Den langen ebenfalls weißen Wallebart streichelnd schaut Cowboyhut sich suchend um nach einem passenden Eckchen für sich und sein Gefährt, prüft in alle Richtungen, lässt launige Sprüche ab an die Vorübergehenden und zieht dann weiter.

Wie viele Arten des Gehens es gibt! Entspanntes Schlendern, zielgerichtete Raum greifende Schritte,
unsicheres Tasten…
da nimmt Mr. Stylish Platz am Nebentisch! Hochmoderner Anzug, manikürte Finger, gegeltes dunkles Haar, das Handy wichtig in der Hand. Drahtige Dauerspannung vermittelnd und vor Dynamik fast platzend.

Zwischen all den bunt gekleideten Menschen ein kleines Männlein, ganz in schwarz mit ebensolchem Schlapphut, auf dem Rücken seine gesamte Habe mit sich tragend. Unrasiert, das Wasser gemieden seit Ewigkeiten, den Blick vor sich auf den Boden gerichtet. Einsamkeit vermittelnd…
Es wird Zeit, zu gehen. Du stehst auf und reihst dich ein in dieses lebendige, flüchtige Spiel eines Tages.

©Petra Jähnke, 2012, veröffentlicht im kostenlosen E-Book „Emotionsmühle“, unserer Visitenkarte vom Lyrika Verlag für das Jahr 2013

 

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2 Gedanken zu „Straßen-Café

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