Sprechende Hände

Vorurteile finden nur Raum in der Gesellschaft, wenn wir, jede/r einzelne von uns, ihnen Nahrung und Platz zum Wachsen gibt in uns selbst.

Ausgrenzungen können nur geschehen, wenn wir es sind, die die nötigen Barrikaden in und um uns errichten.

Bist du gesund – bist du krank? Weder das eine noch das andere ändert etwas an dem, was dich als Mensch ausmacht.

Bist du dünn – bist du dick?
Es sind nicht die zu wenigen oder die zu viel vorhandenen Pfunde, die deiner Persönlichkeit Gewicht geben.

Bist du jung? Bist du alt?
Es sind nicht die gelebten Jahre, die dich alt oder jung erscheinen lassen, sondern deine innere Einstellung zum Leben.

Bist du schwarz? Bist du weiß?
Egal, wie deine Hautfarbe sein mag, unter jeder wie auch immer gefärbten fließt der gleiche rote Lebenssaft.

Diese Wortspiele könntest du selbst unendlich fortsetzen, denn wir alle, Homo sapiens genannt, bestehen aus denselben ´Lebensbausteinen´. Unsere Körper sind voller Weisheit konzipiert, wir haben die besten Werkzeuge mitbekommen, um im Leben zu bestehen:

Wir haben ein Hirn, um zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen.
Wir haben ein Herz, um den Puls des Lebens spüren und Liebe empfinden zu können.
Wir haben Beine, die uns tragen und deren Gangart ein Teil unseres individuellen Ausdrucks ist.
Wir haben fünf Sinne, die unsere Verbindung zur Umwelt sind.
Wir haben Hände, mit denen wir Gutes und Schlechtes zu Werke bringen können – es liegt allein bei uns.

Alles schwingt!

Petra

Sprechende HÄNDE

Schlank und gepflegt, oder groß und voll Schwielen-
Hände in jeder Form können spielen.
Miteinander, mit Dingen, gedankenverloren
mit dem eigenen Haar, zupfend an deinen Ohren.
Hände, sie packen, wenn es sein muss zu,
greifen und heben und fügen hinzu.

Sie bilden auch manches Mal eine Faust,
mit der du voll Wut gegen Wände haust.
Die flache Hand kann Ohrfeigen geben,
doch genauso kann sie nach Sanftheit streben,
kann streicheln und kosen und zeigen,
was du fühlst, wenn die Lippen mal schweigen.

Voll Zartheit berühren die Spitzen der Finger
filigrane und zerbrechliche Dinger,
zeichnen in verträumten Momenten
Konturen nach und damit senden
sie Signale aus von großer Kraft-
Eine sachte Berührung, die Nähe schafft.

Gesten, die unsere Hände vollführen,
können an tiefsten Punkten uns rühren.
Sie betonen und unterstreichen,
wenn unsre Worte zum Erklären nicht reichen.
Wenn zum Beten faltest du deine Hände,
so spricht diese Geste alleine schon Bände.

Ausdrucksmittel und Werkzeug zugleich,
gebend und nehmend, mal hart und mal weich.
Drohend erhoben, zur Abwehr gestreckt,
oder schützend über den Leib gedeckt…
Und nicht nur zum Gruß dient ein Handschlag-
Er besiegelt auch heute noch jeden Vertrag.

Frieden bedeutet, die Hand sich zu reichen-
Jemand zu sein unter seinesgleichen.
Doch Hand in Hand durch das Leben zu gehen,
dass zeigt: sich lieben, vertrauen, verstehen.
Eine eigene Sprache spricht unsre Hand –
Von jedem verstanden, von allen erkannt.

© Petra Jähnke 2012, veröffentlicht in „Jetzt erst recht“. 2012 erscheinen im Lyrika Verlag

Dieses Bild von Jürgen Beßmann begleitet auch im Buch diesen Text und ich sage hier nochmals von Herzen Dankeschön dafür, dass ich es meinem Text zur Seite stellen darf.

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!

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