Archiv für den Monat Juli 2014

Tage wie Kaugummi

S`ìst wieder so ein Tag, elendig lang, der sich zieht wie Kaugummi – 

Pflichten zu erfüllen wie jeden Tag,

alles irgendwie grau trotz blauem Himmel – 

Alltagstrott, der dich einlullt und müde macht,

obwohl du dich nicht anstrengen musst…

so ein Tretmühlengefühl, das zermürbt.

Dabei steckt sie doch in dir, diese Lust auf Leben!

Sie zuckt immer mal und muckt auf in dir,

aber kein Raum, ihr Platz zur Entfaltung zu geben…

Komm, reiss dich zusammen, suche das Lächeln in dir!

Kram es doch hervor, gib dir Mühe!

Geh doch nicht durch den Tag mit der Last der ganzen Welt auf den Schultern!

Rücken gerade, Kopf stolz in die Höhe!

Augenkontakt mit dem Menschen, der dir entgegenkommt!

Lächeln, einfach lächeln und es kommt zu dir zurück!

Und plötzlich wird das grau heller….durchscheinender…

Schon dies flüchtige Lächeln kann Wunder bewirken…

Na los doch, krame es hervor zwischen all deinem Seelenmüll-

Zeig es der Welt und die Welt lächelt zurück!

 © Petra Jähnke 2011

Komm, begleite mich doch einfach auf einem Spaziergang durch meine Welt. Nimm dir die paar Minuten für einen Platz in der Seelenschaukel:-)

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Ich werde antworten!

 

 

Alles ist Veränderung – Alles fließt

So wenig das Jahr tagtäglich dasselbe Gesicht zeigt, so wenig sind wir eine unveränderliche Konstante. Wir ändern uns selbst, unsere Lebensumstände, unsere Überzeugungen (wenn wir flexibel und lernfähig genug sind!).

Du selbst veränderst dich in deinem Erscheinungsbild: in der Optik, in deinem Körperbau. Es setzen sich im Laufe der Jahre Pfunde oder aber du verlierst sie, beides manchmal ohne es zu wollen. Gesichtszüge prägen sich aus, Falten graben sich ein, die Mimik und die Gestik entwickeln sich parallel zu deinem Inneren. Die Haare werden grauer, dünner, der Haarschnitt tut das Übrige dazu. Alles in allem: Veränderung!

Die Menschen, die dir etwas bedeuten, begleiten deinen Lebensweg immer nur ein Teilstück lang. Deine Eltern und Verwandte werden irgendwann deinen Weg verlassen haben, ein Abschied nach dem anderen wird auf dich warten in deinen Lebensjahren.

Freunde gehen neben dir, manchmal sehr lange, manchmal nur eine kurze, aber intensive Zeit. Freunde aus Kindertagen, Freunde aus verschiedenen Lebensphasen, sie alle sind in dein Leben getreten, um es auch wieder zu verlassen. Vielleicht wirst auch du für jemanden derjenige sein, der „verlässt“.

Möglicherweise wird es dein Lebenspartner sein, evtl. war er es schon…? Und du stellst fest, dass alles im Wandel ist, nichts je von verlässlicher Beständigkeit war und sein wird.
Dein Beruf, auch er ist nichts Unumstößliches mehr in der heutigen Zeit, ebenso wenig wie dein Wohnort. Lange schon ist es Geschichte, dass Familienverbände mit mehreren Generationen vereint auf einem Hof oder Grundstück lebten. Dass die Alten versorgt waren, die Kinder stets einen Erwachsenen um sich hatten, der ihnen vertraut und in Liebe verbunden war.

Deine Sehnsüchte und Wünsche relativieren sich, weil sich deine Lebenserfahrungen als Realitäten vor sie stellen, wie um dir zu zeigen: Nicht alles kann und wird in diesem Leben erfüllbar sein.
„Loslassen“ ist die schwerste Lektion, aber auch die unvermeidlichste. Loslassen zu können heißt, einen Schritt zurück treten zu können. Sich zurück zu nehmen, die eigenen Ansprüche herunter zu schrauben, und zu lernen:

Nichts bleibt so, wie es war.
Deine Gesundheit ist ein flüchtiges Gut.
Nicht alle Träume vom Lebensglück sind für die Wirklichkeit bestimmt.
Nicht alles, was dein Herz sich wünscht, ist machbar ohne einen anderen zu verletzen.

Alles fließt, mein Freund. Nichts ist noch morgen so, wie heute war, meine Freundin.
Lass uns zusammensitzen und diese Minute genießen, diese Stunden festhalten im Inneren. Lass uns reden von allem, was war und was ist. Lass uns träumen von dem, was kommen mag.
Und lass uns leben – jede Sekunde, die wir hier sind – so wie wir sind, jetzt – heute.

 

Denn du weißt doch:
Alles schwingt!

Petra

 

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Wind im Haar

Einer dieser ersten Sonntage eines Monats, es ist Fischmarkt am Hafen.

Menschenmengen schieben sich durch die bunten Gassen, gebildet aus allerlei Buden mit viel Unnötigem, manch Schönem, diversen Leckereien und den am Kai fest getäuten Kuttern, die frischen Fisch direkt von Deck verkaufen und dem Ganzen den Namen gegeben haben.

Die Sonne strahlt nach einigen Unwettertagen wieder vom Himmel, als hätte sie es schon immer getan. Wolkenberge ziehen schnell über das Blau, getrieben von einer steifen Brise, die selbst in den Budengassen Mützen anhebt und luftige Kleider flattern lässt.

Düfte lösen einander ab, eben noch roch es nach gebratenem Fisch, nun schon nach Grillwürsten und Bierschwaden.  Laut und alles übertönend preist Bananen-Joe seine prall gefüllten Korbtaschen voller Obst an: „Alles für 10€, Leute! Mir geht´s um eure Gesundheit, Vitamine-Vitamine!!!“.

Ein Stück weiter steht sein Konkurrent und stopft allerlei Markensüßigkeiten in durchsichtige Plastiktüten. Da es ihm nicht um die Gesundheit der Vorüberschlendernden gehen kann, ruft er nur monoton: „Alles für 10 – alles für 10!“

Honig in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen steht neben Blumen aus Holland, Billigware aus Fernost wird vom Wind fast von den Bügeln geweht. Fahnen, Socken, Parfum, dann wieder ein Stand mit Käse, gleich daneben Waffeln und Ledergürtel.

Die angrenzenden Lokale haben ihre Tische im Freien voll besetzt, kleine Restaurantschiffe locken mit Fisch in allen Variationen.

Kaum zwei Schritte möglich in gleicher Länge oder gleichem Tempo, Stimmengewirr, Lachen, Rufe.

 Dann ist sie erreicht, die Hafenspitze, ein paar Meter nur und die Geräuschkulisse hinter dir versinkt im stark auflandigen Wind, der dir um die Ohren bläst.

Nur noch Weite in einem mittleren weichen Blau, in der Ferne getupft von dem leuchtenden Weiß vieler Segelboote. Dieser typische Geruch nach Meer, die fliegenden Haare, die Sonne auf der Haut… Da stehst du vor ihm, diesem endlosen Horizont – atmest ihn ein, lehnst dich ein wenig gegen den Wind, bist für kurze Zeit eins mit dir und der Welt.

Du drehst  dich um, siehst dieses bunte Geschiebe und gehst darauf zu, um wieder einzutauchen in eine begrenzte Welt aus Gerüchen, Geräuschen, unerwünschten Körperkontakten und hilflosem Fuß vor Fuß setzen.

Und wenn du sie erneut durchquert hast, stellst du fest, dass es reicht für dieses Jahr.

Denn die Weite, den Horizont, die Sonne und den Wind hast du täglich ohne dieses Beiwerk.

Und eigentlich brauchst du nur dies, denn es ist deine Heimat.

© Petra Jähnke 2012, veröffentlicht im kostenlosen E-Book „Emotionsmühle 2013“ im Lyrika Verlag

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Des Nachts

Des Nachts, wenn alles dunkel ist

und du mit dir alleine bist,

so ganz auf dich nur reduziert,

ist´s dir da auch schon mal passiert?

Ein Karussell beginnt zu drehen

in deinem Kopf, es bleibt nicht stehen –

Gedankensplitter brausen schnell

an dir vorbei, es wird ganz hell

als gäb`s die dunkle Nacht gar nicht –

Auf jedem Bild Scheinwerferlicht!

Und dann die grausame Erkenntnis:

Dein selbst geschaffenes Gefängnis

aus Kummer, Sorgen, Angst und Pein

sucht dich schon wieder einmal heim!

Erinnerungen, Gegenwart-

Nichts bleibt dir dann bei Nacht erspart.

 

Dies: hätte-wäre-müsste-sollte –

das dann an dir vorüberrollte,

wie viele Nächte schon seit langem

hält dich erneut so sehr gefangen,

das ganz und gar unmöglich ist,

dass du es irgendwie vergisst!

Dieses Gedankenkarussell

dreht unermüdlich und sehr schnell.

                              Dann wanderst du durch´s dunkle Haus,                                  

                                    probierst diverse Dinge aus,                                          

ganz einfach um dich abzulenken –

kannst noch so sehr dein Hirn verrenken:

erst, wenn du völlig bist erschöpft,

ist´s als wenn Müdigkeit dich köpft

und du gefällt, grad wie ein Baum

fällst in den Schlaf, der ohne Traum.

 

Am andren Morgen schaut dich dann

ein Fremder aus dem Spiegel an

und stöhnend ob der kurzen Nacht

der Fremde dir auch Kaffee macht…

Jetzt lächelst du verstehend- milde?

Na fein, dann bist du ja im Bilde!

© Petra Jähnke 2011, veröffentlicht in „Der Koi (an) der Kü(s)ste“ 2012 im Lyrika Verlag

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Straßen-Café

Sonne und Wolken wechseln sich ab. Eine leichte Brise weht herüber vom Meer. Das Straßencafé ist gut besucht, an den Tischen unter den Markisen wechselnde Besetzungen, vorüberflanierende Menschen.

Du sitzt wie im ersten Rang des Stückes „Pulsierendes Leben“.
Der Kaffee ist stark und das Stück Torte kühl und schmackhaft. Der Nebentisch wird frei und nur Sekunden später erobert von zwei Blondinen, eine mit Pferdeschwanz, eine Kurzhaarschnitt. Sie setzen sich, der Pferdeschwanz zerrt aus seiner Tasche eine Jacke „Huch, ist das ein kühler Wind“, dann hektisches Aufspringen „Lass uns reingehen, oben im ersten Stock hat man einen tollen Blick über den Marktplatz!“ Kurzhaar lacht und braust hinterher. 

Wohin-soll-das-Klavier kommt vorübergeschoben: Muscleshirt, braune Haut, stilbrechende bunte Flatterhosen dazu. Neben ihm eine kleine schwebende Elfe von Frau, die dienstbeflissen zu ihm aufstrahlt und an den schweren Tragetaschen schleppt, während er seinen Body der Welt präsentiert und vor lauter Kraft nicht weiß, wohin mit ihr.

Pferdeschwanz kommt wieder raus gestürmt, Kurzhaar hinterher, „Hach das ist mir zu voll da drinnen“, Stühle schieben, Jacke wieder an, den wackelnden Tisch hin und her drehend.
Ein großer, korrekt gekleideter alter Herr steht derweil zwischen den Tischen vor der Eingangstür zum Café und federt, ohne von der Stelle zu kommen, vor und zurück – unsichere Augen, eine deutliche Körpersprache sprechend, `will ich da rein? Will ich nicht? Kann ich mir das erlauben? Nein`, um dann zackig auf der Hacke kehrt zu machen und mit geraden Kreuz gemessenen Schrittes davon zu gehen.

Die beiden Blondinen brausen erneut vorbei, diesmal rein an den Kuchentresen, um zu bestellen.
Da schiebt ein Bauch vorbei, breitbeinig und sich selbst zu viel. Bedeckt von einem trotz Übergröße zu kleinen Hemd und schwer an sich tragend.
Blondi Pferdeschwanz und Kurzhaar stürmen an ihren Tisch zurück, juchzend und kichernd.
Ein Rumpeln ist zu hören, Kopf nach rechts, aha! Jeans, Karohemd, weißes langes Haar unter Cowboyhut zieht eine Sackkarre hinter sich her. Darauf eine hölzerne hochkant gestellte Kiste und oben drauf ein Gitarrenkasten. Den langen ebenfalls weißen Wallebart streichelnd schaut Cowboyhut sich suchend um nach einem passenden Eckchen für sich und sein Gefährt, prüft in alle Richtungen, lässt launige Sprüche ab an die Vorübergehenden und zieht dann weiter.

Wie viele Arten des Gehens es gibt! Entspanntes Schlendern, zielgerichtete Raum greifende Schritte,
unsicheres Tasten…
da nimmt Mr. Stylish Platz am Nebentisch! Hochmoderner Anzug, manikürte Finger, gegeltes dunkles Haar, das Handy wichtig in der Hand. Drahtige Dauerspannung vermittelnd und vor Dynamik fast platzend.

Zwischen all den bunt gekleideten Menschen ein kleines Männlein, ganz in schwarz mit ebensolchem Schlapphut, auf dem Rücken seine gesamte Habe mit sich tragend. Unrasiert, das Wasser gemieden seit Ewigkeiten, den Blick vor sich auf den Boden gerichtet. Einsamkeit vermittelnd…
Es wird Zeit, zu gehen. Du stehst auf und reihst dich ein in dieses lebendige, flüchtige Spiel eines Tages.

©Petra Jähnke, 2012, veröffentlicht im kostenlosen E-Book „Emotionsmühle“, unserer Visitenkarte vom Lyrika Verlag für das Jahr 2013

 

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Was bist du, wenn…

Vor einigen Tagen erreichte mich die Frage eines Menschen mit sehr viel Herz und Verstand:

„Was bist du Petra, ohne irgendwelche Beziehungen und Rückmeldungen anderer Menschen? Was bist du für dich allein? Was bist du, wenn du ganz allein auf einer Insel bist, dich mit keinem anderen Menschen vergleichen kannst, es keine Bestätigung oder Feedback gibt, was bist du dann für dich?“

Diese Frage ist eine der schwierigsten überhaupt und ich bat mir Zeit zum Nachspüren aus. Nun gebe ich die Antwort hier, denn sie fügt sich ein in diese „Gefühlsgeschichten“.

Wäre ich auf dieser imaginären Insel, auf mich allein gestellt, ohne Kontakte, ohne Austausch, ohne Feedback

vor 10 Jahren gewesen, wäre ich noch daran verzweifelt. Ich habe mich damals viel zu sehr über Zustimmung oder Ablehnung definiert und war meiner selbst nicht sicher, kannte mich eigentlich noch gar nicht. Heute ist das anders.

Heute kann ich die Frage beantworten: Petra, was bist du?

Ich bin Kopf-Körper-Herz

–        Ich bin Kopf, denn mein Verstand ist mittlerweile fähig, meine Lebensumstände                    rational einzuordnen. Mein Kopf ist Berater, Abwäger, Logiktransporteur,                                  Realitätenerkenner

–        Ich bin Körper, denn ich habe gelernt, mich so zu lieben und anzunehmen, wie ich bin.          Nicht mehr falschen Idealen folgend, die eigene Schönheit erkennend trotz Narben an          Körper und Seele

 –        Ich bin Herz, denn meine Liebe ist vielschichtiger als früher und macht sich nicht                  mehr nur an einem ´Objekt meiner Begierde´ fest. Die Liebe in mir ist gereift mit                  mir, gewachsen und wandelbarer als je vorher.

Ich bin Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft

–        Meine Vergangenheit hat mich geformt und mich mittels Lektionen das Leben                        gelehrt, hat mir Illusionen und Gesundheit geraubt, hat genommen und gegeben, ist             das Schleifpapier gewesen, das mich modellierte und hat in mir die Basis gelegt, für               das, was ich heute bin

–        Meine Gegenwart ist zu leben im Hier und Jetzt, jedem Tag etwas Positives                                abzuringen, meinen verbliebenen Träumen den Weg zu bahnen, mir selber kleine                  Feste zu bereiten, in mir ruhen zu  können ohne den stetigen Zuspruch von anderen              zu brauchen, in meinem Außen nicht mehr den Spiegel meiner selbst zu suchen,                    unter  meinen Füßen einen festen Stand zu spüren und lieben zu können in einer                  Intensität  und Vielschichtigkeit, die ich früher nicht für möglich hielt

–        Meine Zukunft liegt im Nebel der Zeit, sie ist erfüllt von Tälern und Höhen, sie spricht          von Ungeahntem-Unbewusstem-Nicht-Greifbarem. Sie entsteht, indem ich meinen                Lebensweg gehe, ohne zu wissen, wann er enden wird.

Ich bin Kopf-Körper-Herz-Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft – ich bin das Wissen um die Liebe, das Trauern um Verlorenes, das Vertrauen in das Leben, die Hüterin meiner Wünsche – die Wächterin über meine Seele.

Und du, der du mich hier besuchen kommst – sag, was bist du?

 Alles schwingt! Petra

Alles im Leben hat seine Zeit

Alles im Leben hat seine Zeit,
alles im Leben hat seinen Sinn.
Wenn wir unsere Täler durchqueren,
sehen wir ihn nicht,
denn wir sind blind vor Tränen.
Doch wenn wir langsam und bedächtig
Fuß vor Fuß setzen
aus diesem Tal heraus,
dann klärt sich der Blick und
wenn wir die Höhe erreicht haben,
erkennen wir beim Rückwärtsschauen
den Sinn in jedem unserer Schritte.

Alles im Leben hat seinen Sinn,
alles im Leben hat seine Zeit.
Das Lachen, das Weinen,
das Glück und die Verzweiflung –
sie alle sind Farben
unseres ureigenen Regenbogens,
der sich nur für uns über uns wölbt
und der uns begleitet
vom ersten Tag unseres Lebens
bis zum Ende unserer Zeit –
Dieser Zeit, die erst dann enden wird,
wenn alles im Leben seinen Sinn macht.

© Petra Jähnke 2012

veröffentlicht in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“ im Lyrika Verlag 2013

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Gedanken zur Ehrlichkeit und deren Grenzen

Hast du ein Bild von deinem Gegenüber, geprägt von Erfahrungen und dem, was du in ihn/sie hinein interpretierst?

Wir Menschen sind von Natur aus so angelegt, schnelle Zuordnungen durchzuführen – z.B. er/sie passt in das Schema ´unerschütterlich´- und dann auch imaginäre Stempel aufzudrücken. Solange unser Gegenüber diesem Bild, das wir von ihm haben, entspricht, ist die Welt in Ordnung.
Sie gerät ins Wanken, wenn wir in irgendeiner Situation merken, dass dieses Bild, das wir uns ´gemacht´ haben, nicht mit der Realität überein stimmt.Dass da Brüche sind, die wir nicht vereinbaren können mit dem in uns existierenden, vermeintlichen Wissen, das ´unsere´ Wahrheit ist.

Unsere Wahrheit ist subjektiv, sie basiert auf unseren Wünschen, unseren Idealen, unseren Hoffnungen. Wir sehen, empfinden und ordnen ein aus unserer persönlichen Sicht. Wenn dann ein Verhalten, eine Bemerkung, eine ehrliche Schilderung des anderen so* nicht in dieses Bild passt, ist er da, der Bruch.
Dieser Bruch entsteht jedoch nur in uns, da alles in uns beginnt. In uns beginnt die Zuneigung, die Freundschaft, das Vertrauen, ebenso wie die Erwartungen und die Trugschlüsse. die wir daraus ziehen.

Ist demnach Ehrlichkeit vorsichtig zu dosieren?
Es kommt auf die Situation an, denke ich. Bei den Frage- und Antwortspielen im Alltag bleibt es deiner Menschenkenntnis und deinem Wahrheitsbedürfnis, das du dem anderen entgegen bringst, überlassen. Nicht jeder will wirklich hören, WIE es dir geht, wenn er dich fragt. Nicht jedem wirst du berichten mögen, wie groß dein Stress heute auf der Arbeit war.

Der Einsatz von Ehrlichkeit setzt vieles voraus:
wirkliches Verstehen, echte Zuneigung, einen Kontakt auf Augenhöhe und daraus resultierend dann die wohl dosierte Portion Ehrlichkeit. Ebenso wenig wie du in jedem Fall 100% Ehrlichkeit von deinem Ehe/Lebens/Geschäfts/Gesprächs-Partner ertragen könntest, verhält es sich wahrscheinlich auch aus Sicht desjenigen dir gegenüber.

Alles ist relativ.
Deshalb höre doch einfach in dich hinein, wie viel Ehrlichkeit du deinem Gegenüber anvertrauen oder zumuten möchtest.
Nicht jeder, von dem du es dachtest, verträgt 100 Prozent.
Nicht bei jedem, von dem du meintest, er würde mit der Wahrheit aus deinem Munde nicht umgehen können, erweist sich diese Einschätzung als richtig..
Der sprichwörtliche ´Elefant im Porzellanladen´ ist im Allgemeinen keine sehr angenehme Rolle. Es sei denn, du möchtest mit einem Schuss vor den Bug klare Fronten schaffen.

Zum Glück gibt es auch die Fälle, in denen klare Fronten einer Beziehung ganz neue Impulse geben.
Denn unsere Hoffnungen, Erwartungen und Wirklichkeiten sind in uns miteinander fast untrennbar verwoben und sprechen immer ein Wort mit. Ein paar Gedanken dazu findest du auf meiner Autoren-HP unter folgendem Link:

http://www.petra-jaehnke.de/Gedankensplitter-I-_-Hoffnungen%2C-Erwartungen-und-Wirklichkeiten.htm

Alles schwingt!

Petra

 

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